Tim Parks

Träume von Flüssen und Meeren

Roman
Cover: Träume von Flüssen und Meeren
Antje Kunstmann Verlag, München 2009
ISBN 9783888975790
Gebunden, 509 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Becker. "Seit einiger Zeit bin ich nun geplagt, vielleicht auch gesegnet, durch Träume von Flüssen und Meeren." Als John in London diesen merkwürdigen Brief seines Vaters erhält, ist Albert James, der berühmte Anthropologe, bereits tot. John eilt nach Indien, der Wahlheimat der Eltern, sucht nach Erklärungen: Warum ist der Vater so plötzlich gestorben? Seine Krebserkrankung hatte er eigentlich unter Kontrolle. Welche Theorien haben ihn zuletzt beschäftigt, warum hat er am Schluss, ganz gegen seine Gewohnheit, Johns Nähe gesucht? Helen, seine Mutter, empfängt ihn kühl wie immer. Die engagierte Ärztin scheint auch über den Tod hinaus ihre exklusive Beziehung zu dem großen Forscher bewahren zu wollen. Wieso lässt sie sich dann mit dem amerikanischen Journalisten ein, der die erste große Biografie ihres Mannes schreiben will? Bei der Trauerfeier tauchen Menschen auf, die Albert nahestanden, doch jeder scheint von einem anderen Albert James zu sprechen. John kriegt zunehmend das Gefühl, weder Vater noch Mutter gekannt zu haben, zu kennen. Der Tod, eine Leerstelle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2010

Mehr als eine Zwischenetappe auf dem Weg eines handwerklich versierten mit Beobachtungsgabe und Intuition ausgestatteten Autors möchte Jochen Hieber in diesem neuen Roman von Tim Parks nicht sehen. Dafür findet er Parks dann doch zu bedeutend. Der Roman aber enttäuscht ihn gleich doppelt: Einmal, weil ihm Indien als Spielstätte überholt scheint und Parks über die alte britische Perspektive auf ein unverstehbares Riesenland nicht hinauskommt. Zum zweiten, weil die Figuren um eine leere Mitte kreisen, einen Toten, dem die Blickwinkel der von Parks bemühten "Zeugen" doch keinen Kontur geben können, wie Hieber bedauernd feststellt. So unverkrampft und dialogsicher der Autor auch vorgeht, wenn er zwei seiner Problemkonstanten (Vater und Sohn, Ehe als Lebensform) behandelt - Hieber lässt das Buch unbefriedigt zurück.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.09.2009

Als "üppigen, magischen Roman" feiert Rezensent Christian Seiler das neue Buch des in Italien lebenden britischen Schriftstellers, dessen große Qualitäten er speziell auf den "Nebenfahrbahnen des Handlungshighways" gefunden hat. Die Hauptfigur des Romans, ein von der historischen Figur des Gregory Bates inspirierter Anthropologe, ist Seiler zufolge auf Seite 37 bereits verstorben. Doch da erst beginnt der Roman zu fließen "wie ein breiter Fluss", zu mäandern und in Verästelungen, Netzwerke und erotische Verwicklungen, Fragen nach der Todesursache des Protagonisten, Geschichten um seine Witwe und seinen Sohn zu entwickeln. Schauplatz sei Delhi, wohin der verstorbene Albert James einst mit seiner Frau Helen gezogen sei. In präziser, distanzierter Sprache erzähle Tim Park die Geschichten seines Romans, behandele die Figuren mit Abstand. Es tauchen Seiller zufolge auch Briefe und E-Mail-Dialoge auf und am Ende dieses "beeindruckenden" Buchs hat der fehlende Protagonist für den Rezensenten in höchst verschiedenen Interpretationen Gestalt angenommen.
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