Mit einem Geleitwort von Anetta Kahane. Die Nähe des traditionellen christlichen Judenhasses zum modernen eliminatorischen Antisemitismus wird in der deutschen Antisemitismus-Debatte noch immer verschleiert. Tilman Tarach ruft vergessene Ereignisse in Erinnerung und präsentiert bisher unbeachtete historische Zeugnisse, die Wesen und Wirkmächtigkeit des christlichen Antisemitismus eindrücklich aufzeigen. Nur vor der Hintergrundfolie alter judenfeindlicher Vorstellungen, die bereits im Neuen Testament angelegt sind, konnte der Vernichtungsantisemitismus der Nationalsozialisten entstehen. Auch heute ist die Gefühlswelt von Antisemiten und Antizionisten wesentlich von diesen unbewussten christlichen Mustern geprägt.
Rezensent Klaus Hillenbrand verfolgt so interessiert wie entsetzt, wie Tilman Tarach den christlich geprägten Ursprüngen des Judenhasses zu Zeiten des Nationalsozialismus und auch noch bis heute nachgeht. Denn nicht nur unter Hitler wurde sich auf die christliche Legende der Juden als "Christusmörder" und "Brunnenvergifter" berufen und die Identifizierung von Juden anhand von Kirchenbüchern vorgenommen, wie der Kritiker hier liest. Auch die Gegenwart sei noch von diesen Vorurteilen geprägt; etwa im Israel-Kontext: mit Schrecken liest Hillenbrand hier, dass der Palästinenserpräsident Abbas von "israelischen Rabbinern" gefaselt habe, "die verlangt hätten, das Wasser der Palästinenser zu vergiften". Eine Analyse des "modernen, rassistisch geprägten Antisemitismus" biete Tarach zwar nicht, überzeugend und belegreich findet Hillenbrand das Buch dennoch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.04.2022
Rezensent Micha Brumlik liest Tilman Tarachs Studie mit Interesse. Tarach belegt laut Brumlik anhand analytischer Lektüre katholischer Texte aus den 1930er und 1940er Jahren sowie Äußerungen christlicher "Antizionisten" im arabischen Raum, wie ein antichristliches Judentum dort zur Bedrohung aufgebaut wurde und den Judenhass in der NS-Zeit und bis heute mitbestimmt. Der Unterscheidung von christlich grundiertem bzw. rassistisch motiviertem Judenhass widerspricht der Autor damit auf überzeugende Weise, findet Brumlik.
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