Das Engagement für die Rechte sozialer Minderheiten sieht sich immer stärkerer Kritik ausgesetzt. Es gehe bloß um "Identitätspolitik", die an einem nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel nicht interessiert sei. Das sind Folgen eines poststrukturalistisch geprägten Theorie- und Politikverständnisses. Die Rolle der Sprache wird übermäßig betont - die soziale Realität gerät in den Hintergrund. Diese Entwicklung wird in allen Feldern der Antidiskriminierungs- und Menschenrechtspolitik unter dem Modewort "Intersektionalität" forciert. Dieser Sammelband befasst sich mit den Auswirkungen, die sich für queere Politik ergeben. Mit 10 Beiträgen und ihren Autor_ innen, die exemplarisch dafür stehen, dass nicht jede_r den Glauben an die Kraft kritischer Analysen und Auseinandersetzungen begraben hat.
Dies ist die Fortsetzung des kontroversen Sammelbands "Beißreflexe" von 2017, der die aktuellen Entwicklungen der queeren Politik als "im autoritären Gestus vorgetragene Ersatzhandlungen" anprangerte, wie Rezensent Jakob Hayner erinnert. Ihm zufolge liefert der neue Band ausführliche Analysen der akademischen queeren Forschung, die die Erkenntnisse der Gender- und Postcolonial-Studies infrage stellen und die neoliberale Indienstnahme des Wortes 'queer' durch die Psychoanalyse kritisieren. Es gehe um falsche Individualisierung gesellschaftlicher Probleme, die Reduktion des Aktivismus auf den "identitätspolitischen Privilegiencheck" oder Irrwege in Plädoyers für Unfreiheit, erklärt der Kritiker. Hayner zufolge dient das Buch in jedem Fall als Orientierungshilfe in einem unübersichtlichen politischen Feld.
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