Jens Kastner, Lea Susemichel

Identitätspolitiken

Konzepte und Kritiken in Geschichte und Gegenwart der Linken
Cover: Identitätspolitiken
Unrast Verlag, Münster 2018
ISBN 9783897713208
Kartoniert, 152 Seiten, 12,80 EUR

Klappentext

Identitätspolitik bedeutet, sich über die eigene Identität als beispielsweise Afroamerikanerin, Jude, Frau, Lesbe oder Arbeiter zu definieren - und bestenfalls auch zu organisieren und für die eigenen Rechte einzutreten. Doch obwohl diese Form der Identitätspolitik die Basis zahlloser sozialer Bewegungen bildete, wurde sie spätestens durch die Queer und Postcolonial Theory radikal infrage gestellt und als vereinheitlichend und ausschließend abgelehnt. Doch die Bezugnahme auf identitäre Kategorien wird nicht nur theoretisch heftig herausgefordert, sondern inzwischen auch innerhalb der Linken als geradezu konterrevolutionär scharf kritisiert: Identitätspolitik schade dem Klassenkampf, so die Argumentation. Denn die Kämpfe um Anerkennung kultureller Differenzen würden vom zentralen und universell zu führenden Kampf gegen soziale Ungleichheit nur ablenken. Doch bereits in der frühen Arbeiter*innenbewegung wurde um die Identifizierung der Arbeiter*innen gerungen. Und im Feminismus und in den Black-Liberation-Bewegungen seit den 1960er Jahren spielt die Kategorie sogar eine noch größere Rolle. Dabei wurden auch die vielen Fallstricke einer positiven Bezugnahme auf kollektive Identität - die Ausschlüsse und Vereinheitlichungen - bewegungsintern kritisiert und diskutiert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.01.2019

Als Aufklärungsbuch in Sachen Identitätspolitik empfiehlt Aram Lintzel diesen Band besonders auch ihren Kritikern, denen er selbst Demagogie, Dramatisierung und ahistorisches Denken vorwirft. Indem sie Lea Susemichel und Jens Kastner die theoretischen und geschichtlichen Grundlagen des Ansatzes ausleuchten, können sie dem Rezensenten zufolge überzeugend darlegen, dass kulturelle Differenz und universale Gerechtigkeit keine Gegensätze sind und dass linke Identitätspolitik immer auch ein Kampf ums Ganze ist. Lintzel bemerkt aber auch, dass die beiden Wiener Autoren nicht alle Diskriminierungserfahrung über einen Kamm scheren wollen. Rassistische Plizeigewalt sei etwas anders als ein "Lookismus", der ein bestimmtes Aussehen abwertet. Auch vom Konzept der kulturellen Aneignung halten sie wenig.

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