Thomas Lemke

Veranlagung und Verantwortung

Genetische Diagnostik zwischen Selbstbestimmung und Schicksal
Cover: Veranlagung und Verantwortung
Transcript Verlag, Bielefeld 2004
ISBN 9783899422023
Kartoniert, 140 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Sind Gene unser Schicksal? Die sozialwissenschaftliche und philosophische Diskussion der Ergebnisse der Genomforschung ist eigentümlich verzerrt. Meist wird die Gefahr eines genetischen Determinismus beschworen, der Selbstbestimmung und Freiheit der Subjekte bedrohe. Diese Studie zeigt die Grenzen dieser Kritik. Sie macht deutlich, dass die Arbeit von Selbsthilfegruppen im Bereich genetischer Krankheiten neue Formen personaler Identität und kollektiver Vergemeinschaftung schafft. Das genetische Wissen führt nicht zu einer "Biologisierung des Sozialen", sondern verändert die individuelle Erfahrung von Schwangerschaft, Familie und Partnerschaft ebenso grundlegend wie gesellschaftliche Institutionen. Der Band wird abgerundet durch ein Glossar und eine Liste nützlicher Internetadressen, die einen Einstieg in die Diskussion ermöglichen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004

Als "weithin gelungen" empfindet Carlo Caduff Thomas Lemkes "Veranlagung und Verantwortung". In der Studie setzt der Frankfurter Soziologe sich anhand der Erbkrankheit Chorea Huntington (Veitstanz) mit der Frage auseinander, ob bei gendiagnostischen Verfahren tatsächlich ein "Rutschbahneffekt" zu erwarten ist - das heißt also, ob, sind solche Verfahren erst einmal etabliert, ihre Anwendung sofort um sich greift, unbesorgt um moralische Einwände. Lemke konstatiert, dass von den potenziell Betroffenen des Morbus Huntington nur zehn Prozent die Möglichkeit eines Gentests in Anspruch genommen haben. Das ist das Ergebnis einer vom Deutschen Konsortium für molekulargenetische Diagnostik von 1993 bis 1997 durchgeführten Untersuchung. Statt dass gendiagnostische Durchleuchtung in Anspruch genommen wurde, hat sich, so Lemkes Erkenntnis, vielmehr ein reiches soziales Biotop aus Selbsthilfegruppen und Interesseverbänden um die Gefährdung herum entwickelt. Als weniger gelungen empfindet der Rezensent Lemkes ethisch-kritisches Schlusswort. In diesem falle der Autor, so Caduff, sogar hinter seinen eigenen Wissensstand zurück - als Verfasser einer Studie über das Spätwerk Foucaults ebenso wie als Urheber der vorliegenden Arbeit.
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