Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783827014542 Gebunden, 448 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Der Erzähler Meander, ein Mann der Gegenwart, hat einen Lebensbruch erfahren. Beim Räumen des elterlichen Hauses findet und liest er seinen unbeendeten Roman über Herman Melville wieder. In der abenteuerlichen, beinah tragischen Vita des amerikanischen Schriftstellers erkennt Meander die eigenen existenziellen Gefühle und künstlerischen Fragen wieder - oder ist es umgekehrt? Sein gefühltes Scheitern und das Gewinnen einer neuen Autonomie sind dabei Teil eines größeren Bildes von der sich rapide verändernden Gegenwart. Ein Roman über einen Neubeginn, der sich mit dem Lebensweg des Verfassers von Moby-Dick ebenso auseinandersetzt wie mit der härtereichen Gesellschaft in den USA jener Zeit, ihren Verwerfungen und Umbrüchen, die den heute weltberühmten Autor beinah zum Verstummen zwangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.05.2026
"Fesselnd - auf schleichenden Pfoten" findet Rezensent Stefan Michalzik den neuen Roman von Thomas Lang, der verschiedene Erzählstränge verbindet: Der Protagonist war eigentlich mal Schriftsteller, hat den Beruf aber weitestgehend aufgegeben und lebt nach dem Tod seiner Tochter in obskurer Zurückgezogenheit. Es ist die Zeit der Pandemie, der Protagonist als Maskenverweigerer sieht in sich eine Art Bartleby-Seelenverwandten und schreibt einen Roman über dessen Erfinder, Herman Melville, der auch in diesen Roman eingeschrieben ist, wie Michalzik betont. Er findet viel Anregung in den mäandernden Erzählsträngen, die die Schicksale von Erzähler und Melville engführen, spiegeln und immer wieder zu verschiedenen Motiven zwischen dem eigenen Bedeutungsverlust, Walfang und persönlicher Sonderbarkeit führen. 450 Seiten, die trotz ihrer Offenheit mitreißen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2026
Romane über Schriftstellerbiografien gibt es allerhand, etwa jene von Klaus Modick oder Florian Illies, erinnert Rezensent Wolfgang Schneider. Aber mit diesen hat Thomas Langs achter Roman nicht viel zu tun, auch wenn er sich zu großen Teilen um Moby-Dick-Erfinder Herman Melville dreht, versichert der Kritiker. Erzählt wird die Geschichte des Schriftstellers Meander, der nach Tod der Eltern, Tod der Tochter und Scheidung nun das Elternhaus ausräumen muss und dabei auf sein einst abgebrochenes Manuskript eines Melville-Romans stößt. Den Inhalt jenes Manuskripts verwebt Lang geschickt durch Spiegelungen und einzelne Motive mit der Meander-Handlung: So tauchen Motive wie Masken oder sexuelle Identität in beiden Plots auf. Aber Schneider warnt vor: Gefälligkeit ist Langs Sache nicht. Die ohnehin nicht allzu offenkundige Biografie Melvilles sollte der Leser kennen, Lang selbst deutet nur an und dichtet kaum etwas hinzu. "Eindringlich" sind die einzelnen Szenen dennoch, verspricht der Kritiker, der nicht zuletzt bewundert, dass ein Schriftsteller hier mal mehr auf "Eigensinn" und Mut statt auf Markt setzt.
Rezensent Michael Eggers ist beeindruckt davon, wie Thomas Lang in diesem Buch Herman Melville nachspürt. Längst nicht nur um dessen berühmtestes Buch "Moby Dick" geht es in dieser teils fiktionalen, teils dokumentarischen Spurensuche. Ein wiederkehrendes Motiv ist die instabile Identität des Autors Melville. Einerseits vermischt sich Melvilles Leben mit dem der Gestalten aus seinen Büchern, andererseits gibt es noch eine zweite Erzählebene in der Gegenwart, in der ein anderer, fiktiver Autor namens Meander ein Buch über Melville schreibt. Komplex gebaut und reichlich selbstreflexiv ist dieses Buch und wer sich in Melvilles Leben nicht ohnehin schon auskennt, kann zwischen all den Metabenen leicht verloren gehen. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, glaubt Eggers, kann man jedoch viel Freude haben an diesem erstaunlichen Werk.
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