Aus dem Amerikanischen übersetzt von Cornelia Panzacchi. In seinem Roman "Medicine River" porträtiert Thomas King das Leben in einer Kleinstadt nahe einem Blackfoot-Reservat im Westen Kanadas. Will, ein Fotograf aus Toronto, kehrt in seine Heimatstadt Medicine River zurück, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Eigentlich soll es nur ein kurzer Aufenthalt werden, doch Will hat die Rechnung ohne seinen Freund Harlen Bigbear gemacht. Harlen, ständig darum bemüht, das Leben von Nachbarn und Freunde zu regeln, versucht ihn von der Idee zu überzeugen, ganz nach Medicine River zurückzukehren und als einziger Native-Fotograf ein Studio zu eröffnen. Will aber fühlt sich von seinen Wurzeln, der Familie und den Freunden entfremdet. Doch Harlen findet auf alles eine Antwort, und schon bald spielt Will im örtlichen All-Native-Basketball-Team und lernt die schwangere, unverheiratete Louise Heavyman kennen ... Jenseits von Ethno-Romantik oder aufgesetzter Sozialkritik schreibt King mit einer guten Dosis Humor über das Alltagsleben der Native Americans im Nordamerika von heute, über gebrochene Biographien, menschliche Schwächen, Freundschaft, Liebe und Tod.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2008
Wohlwollend, am Ende dennoch gähnend präsentiert sich Rezensent Jan Grossarth nach der Lektüre dem Publikum. Über das 18 Jahre nach Erstveröffentlichung bei uns erschienene Buch von Thomas King, das um Heimatgefühle in einem Kaff am Fuß der Rocky Mountains und um gutmütige "Pseudoindianer" mit Faible für Basketball und große Brüste kreist, würde Grossarth gern mehr sagen, als dass es Ethno-Romantik verbreitet. Doch genau das macht das Buch, erklärt der Rezensent. Die Metaphern-Inflation, die der Creative-Writing-Dozent King loslässt, tut das ihre. Und am Ende überwiegt die Schlichtheit des Textes sogar die "große Beobachtungsgabe" des Autors.
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