Einst galten die Sioux als das kriegerischste Volk auf dem Gebiet der heutigen USA. Unter ihren Anführern Red Cloud und Sitting Bull lehrten sie die weißen Eindringlinge das Fürchten. Doch als die Büffel beinahe ausgerottet waren und die Armee ihre Jagdgründe endgültig besetzte, mussten sich auch die letzten Widerstandskämpfer mit ihren Familien ins Reservat begeben. Dort wurden sie vom Benediktiner Martin Marty aus Einsiedeln und dessen Gehilfen missioniert und "zivilisiert". Während sich Red Cloud katholisch taufen ließ, blieb Sitting Bull standhaft. Der berühmte Chief hielt an seiner traditionellen Weltanschauung fest. Damit forderte er Marty und seine Missionare immer wieder aufs Neue heraus. Dem Kirchenmann Martin Marty wurden Ehren und Wertschätzung bis heute zuteil. Die Sioux hingegen erlebten die Missionierung als Trauma und Tragödie: Zu spät erkannten sie, dass der neue Glaube nicht mit dem alten verbunden werden durfte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2016
Manuel Menraths Buch scheint Thorsten Gräbe doch weniger eine Geschichte der katholischen Sioux zu sein als eine Kritik des Sioux-Missionars Martin Marty. Dass es Marty nicht gelang, Sitting Bull zu missionieren, erfährt Gräbe zwar, doch wie es in den von Marty gegründeten Kinder-Internaten aussah, dazu bietet ihm der Autor vor allem wilde Spekulationen und fragwürdige Psychologisierung. Menraths Vermutungen über sexuellen Missbrauch an den Sioux-Kindern toppen derartig fragwürdiges Vorgehen für Gräbe noch. Über die Sioux im 19. Jahrhundert hätte er indes gerne mehr Quellenbasiertes erfahren.
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