Thomas Harlan

Rosa

Roman
Cover: Rosa
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783821806938
Gebunden, 219 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Eine Lichtung im Walde bei Chelmno in Polen. Aus der schneeverwehten Ebene wölbt sich das Dach eines Erdhauses, ein Pferd ohne Schwanz ist an den rauchenden, klapprigen Schornstein gebunden, der aus dem Boden ragt. In der Höhle haust Rosa. Sie ist die ehemalige Verlobte von Franz Maderholz, einem der Handlanger der ersten großen Judenvernichtungsaktion im Zweiten Weltkrieg. Die Asche seiner Opfer füllt den Boden der damals dafür eigens gehauenen Lichtung, in der nun Rosas Heimstatt ist. Seltsame Pflanzen wuchern über diesen Boden, verwachsene Tiere bewohnen den Wald. Eine Gruppe von Filmemachern hat von den Gerüchten über die damaligen Ereignisse und die unheimlichen Lebensformen im Wald erfahren und spürt den Schicksalen Rosas, Franzens, des Pferdes und anderer nach. Die Spuren führen ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet, die Karstgebirge vor Triest, eine Lungenheilanstalt in den Alpen, ins Berlin der Nazizeit und nach Walldürn am Odenwald.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000

Charlotte Brombach sieht sich gezwungen, nicht das Anliegen wohl aber die Art der Darstellung in Thomas Harlans Roman einer Spurensuche der Vernichtung von mehr als 100.000 Juden von 1941 bis 1942 im polnischen Chelmo zu kritisieren. Dass Harlan, Sohn des Nazi-Regisseurs Veit Harlan, ein integrer Autor ist, dessen Recherchen über 2000 Anklagen gegen Kriegsverbrecher zu verdanken sind, daran lässt die Rezensentin keinen Zweifel. Die fehlende Chronologie und die Fülle an Beweismaterial aber, die Harlan zusammengetragen hat, verbinde der Autor auch noch mit einer Vielzahl von Handlungssträngen, wirklichen und erfundenen Personen, hinter denen nicht nur die Hauptfigur Rosa - eine durch Gewalt entstellte SS-Geliebte - sondern auch die eigentliche Katastrophe verschütt gehe. `Die Geschichte ufert aus`, schreibt Brombach. Letztlich verschwänden die Verbrechen fast hinter dem aufwändigen Versuch ihrer Rekonstruktion. Brombach zitiert Saul Friedländers Studie zu `Kitsch und Tod`, nach dem die Brillanz der Darstellung trotz einer eindeutigen Haltung des Autors ein Gefühl in falscher Tonart hervorbringt. Zwar werde bei Harlan `der Ekel an der eigenen Zeitzeugenschaft` deutlich, doch zeigt die Rezensentin, wie der Autor am Beispiel eines verwesten Frauenkörpers in eine geradezu Bennsche Diktion verfällt, die in diesem Fall ihr Thema auf höchstem Niveau verfehlt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2000

Eine Rezension, ebenso verwirrend, verschachtelt, vielschichtig wie der Roman, von dem Bruno Steigers Text handelt. Fassen wir zusammen, was wir verstanden oder behalten haben: eigentlicher Ausgangspunkt ist das Todeslager Kulmhof in Polen, wo 1942 die erste Massentötung stattgefunden hat. Drumherum und später wird von den verschiedensten Leuten recherchiert, wobei reale wie fiktive Untersuchungen in diesen Prosaversuch von Thomas Harlan, Sohn des Regisseurs Veit Harlan, hineingeflossen sein sollen: einen "noch nicht dagewesenen Roman der Dokumente" vermeldet Steiger. Man tue gut daran, schreibt der Rezensent weiter, "Rosa" nicht als die übliche belletristische Holocaust-Bewältigungsliteratur zu sehen. Es gehe nicht darum, Wahrheit aufzudecken oder die Vergangenheit zu verstehen, sondern vielmehr sie überhaupt zu erfassen, sich ein Bild von ihr zu machen. Harlans Buch, sagt Steiger, lege sehr sprachgewaltig Zeugnis davon ab.
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