4 CDs, 236 Minuten. Vollständige Lesung. Sprecher: Thomas Holtzmann. SWR 2000. "Ich dachte, dass ich möglicherweise in meinem ganzen Leben keinen besseren Freund gehabt habe." Der gemeinsame Aufenthalt im Sanatorium ist Anlass für Thomas Bernhard, sich an vergangene Zeiten mit seinem Freund Paul Wittgenstein zu erinnern - an Gespräche über Musik, an gemeinsame Ausflüge durch österreichische Kleinstädte, an Besuche im Cafe Sacher oder die skandalöse Verleihung des Österreichischen Staatspreises. Das liebevolle Protokoll einer Freundschaft, einer Leidens- und Sterbensgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.11.2004
Überrascht wie überzeugt ist Marion Lühe von der Hörversion von Thomas Bernhards "Wittgensteins Neffe". "Liebevoll, nicht ohne Pathos" porträtiere der Erzähler seinen Freund im Geiste, freilich immer wieder unterbrochen von hasserfüllten Attacken auf die "kunst- und geistfeindliche Welt". Überrascht ist Lühe von dem "freundlichen, ja, fast milden, niemals lauten oder gar aggressiven Ton", in dem der Münchner Theaterschauspieler Thomas Holtzmann die Satzschleifen Bernhards vorträgt. Überzeugt ist sie deshalb, weil Holzmann sich "geschmeidig" dem Tempo der Sätze anpasst, sich "von den Wortströmen treiben" lässt und nur ab und an eigene Schwerpunkte und Betonungen setzt. So werde die "Musikalität" und das "kompositorische Prinzip" Bernhards freigelegt und kenntlich gemacht. Lühe hat in einem Aufsatz von Andreas Meier gelesen, dass Bernhard "manipulative Leseführung" betreibe. Nun, zumindest in dieser Hörbuchfassung stört sie das nicht. "So lassen wir uns jedenfalls gerne manipulieren."
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