Tariq Ali

Bush in Babylon

Die Re-Kolonisierung des Irak
Cover: Bush in Babylon
Diederichs Verlag, München 2004
ISBN 9783720524803
Gebunden, 224 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Die Iraker haben die Geschichte ihres Landes als Spielball der Weltreiche nicht vergessen und ordnen sich den neuen Besatzern nicht widerstandslos als Kolonie unter. In diesem Buch beschreibt der Autor und politische Publizist Tariq Ali die Geschichte des irakischen Widerstandes gegen alte und neue Kolonisatoren. Vehement widerspricht Ali der Ansicht, eine Besetzung sei der einzige Weg zu einem Regimewechsel in einem korrupten oder diktatorischen Staat, und belegt, welch verhängnisvollen Einfluss die Interventionen der Weltreiche in der Geschichte des Landes bislang hatten. Alis Buch ist eine provokante Streitschrift gegen den Krieg als Mittel der Politik, eine faszinierende Darstellung der Politik und Kultur des Irak - und eine Hommage an die Menschen im Irak und an die unbeugsamen Dichter und Denker der arabischen Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2004

Der britische Autor "indo-muslimischer Herkunft" Tariq Ali schildert in seinem Buch die "jüngere Geschichte des Nahen Ostens", wobei er den Schwerpunkt auf den Irak legt, informiert Wolfgang Günter Lerch. Er ist im wesentlichen geneigt, Ali, der durch historische Romane bekannt geworden sei, das Recht auf seine eigene Sichtweise zuzugestehen, die in der moderne Geschichte des Nahen Ostens vor allem die Geschichte westlicher Kolonisierung sieht. Besonders die Perspektive eines Betroffenen findet der Rezensent dabei "lehrreich" und interessant. Trotzdem wirft er dem Autor vor, mit dem Kolonialismus-Vorwurf allzu "pauschal" umzugehen und kolonialistische Bestrebungen des Nahen Ostens dagegen als "Höhepunkte der eigenen Kultur" zu preisen. Insgesamt aber dennoch ein Buch, das "manches Bedenkenswerte" enthält und wichtige historische "Debatten" wieder aufgreift, lobt der Rezensent abschließend.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2004

Dieses Buch des im Londoner Exil lebenden pakistanischen Autors, Filmemachers und Journalisten Tariq Ali ist vor allem von Ekel und Wut geprägt, stellt Alexandra Senfft gleich zu Beginn ihrer Rezension klar. In seinem Buch beschreibt der Autor die amerikanische Besetzung des Irak in einem "Mix aus Geschichte, Politik und Literatur" nicht als den Anfang eines Demokratisierungsprozesses, sondern als "neue Kolonisierung" und er lässt dabei seiner Wut freien Lauf, erklärt Senfft. Ali scheue sich nicht vor "polemischen Urteilen" und auch das auf den ersten Seiten abgedruckte Gedicht eines syrischen Exildichters, in dem dieser sich zum Terrorismus bekennt, der sich allerdings nur gegen "unrechtmäßige staatliche Gewalt" zu richten hat, könnte die Leser "erschrecken", vermutet sie. Doch wer sich davon nicht vergraulen lässt, wird vom "umfassenden Wissen", mit dem Ali die irakische Geschichte schildert und sie in die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens und in die globale Politik einzuordnen weiß, beeindruckt sein, versichert Senfft. Der Autor lässt keinen Zweifel an seiner Kritik der amerikanischen Politik im Irak, betont die Rezensentin, und er fordert die Leser zur Unterstützung des "irakischen Widerstands" auf. Doch wie so eine Unterstützung genau aussehen soll, verrät er nicht, so Senfft abschließend etwas skeptisch.
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