Herfried Münkler

Der neue Golfkrieg

Cover: Der neue Golfkrieg
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498044909
Kartoniert, 175 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Auf einen Frieden, der keiner war, folgte ein Krieg, über dessen Sieger nie ein Zweifel bestand. Freilich: Dem irakischen Diktator die Massenvernichtungswaffen aus der Hand zu nehmen und Verbindungen des Terrors durchzuschneiden - das sind nicht die wirklichen Gründe der USA für diesen Krieg gewesen, wie Herfried Münkler in diesem Buch nachweist. Die Amerikaner hoffen nun, den Nahen Osten, seit Jahrzehnten die Weltkrisenregion schlechthin, gewaltsam zu befrieden - wie Europa im Zweiten Weltkrieg. Mit ungewissem Ausgang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

In seinem "scharfsinnigen" Buch "Der neue Golfkrieg" fragt Herfried Münkler nach den eigentlichen Zielen und Motiven der USA im Golfkrieg, berichtet Rezensent Peter Lösche. Münkler nehme die Aussagen von Wolfowitz, Cheney, Powell, Rumsfeld und Bush ernst, schreibt Lösche, und suche nach der möglichen Rationalität dieses Krieges. Zur Verblüffung Lösches hält Münkler den Sturz von Saddams Regime durchaus für plausibel - schließlich könnten dadurch mittelfristig stabilere Verhältnisse am Golf erreicht werden. Wie er weiter berichtet, prognostiziert Münkler nicht nur weitere Kriege ähnlichen Typs, sondern auch eine sich vertiefende Kluft zwischen Europa und Amerika. Er hebt hervor, dass der Leser vom Autor in den Bann seiner Thesen und Argumenten gezogen werde, "obwohl er doch ständig die Antithesen und Gegenargumente mitdenkt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2003

Als "brillante, überaus lesenswerte Ausleuchtung der Hintergründe" des Golfkriegs lobt Rezensent Konrad W. Watrin Herfried Münklers "Der neue Golfkrieg". Das Buch hat Watrin vor allem durch seine konzentrierte Darstellung der langen Vorgeschichte des dritten Golfkrieges überzeugt. Wie Watrin ausführt, analysiert Münkler die Ursachen des Kriegs, wobei er auf den Krieg des Iraks gegen Iran (1980-88) ebenso eingeht wie auf den "Fluch des Öls", die dramatische "revolution in military affairs" der USA in den letzten Jahren und ihre neue Sicherheitsstrategie des Präemptivschlags. Watrin hebt hervor, dass für Münkler nicht primär Massenvernichtungswaffen, eine mögliche Verbindung zu al-Qaida oder Demokratieversprechen für den Krieg der USA gegen den Irak ausschlaggebend waren, sondern geostrategische Ziele. Etwas unterbelichtet bleiben dabei zum Bedauern des Rezensenten die ökonomischen Interessen der US-amerikanischen Energie-Lobby. Zudem, kritisiert Watrin, lässt Münkler ein Kernproblem, den Palästinakonflikt, unberücksichtigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2003

Rainer Blasius lobt die analytische Tiefe und den Weitblick von Herfried Münklers Studie über den eben beendeten Golfkrieg. Das Buch, erklärt er, konnte so aktuell erscheinen, weil sich Münkler nicht weiter mit der kurzfristigen Legitimationspolemik aufhalte, sondern die Ursachen des Krieges aus der regionalen und weltpolitischen Entwicklung seit dem opferreichen Konflikt zwischen dem Iran und dem Irak herleite. Die USA seien nämlich laut Münkler in den darauf folgenden Jahren in eine Zwickmühle geraten: Im Anschluss an den ersten "asymmetrischen Krieg" 1991 mussten sie eine permanente Truppenpräsenz am Golf finanzieren, die Feindseligkeit in der arabischen Welt wuchs, und ein Rückzug wäre als Niederlage der Amerikaner verbucht worden - der Krieg 2003 war der offensive Ausweg aus dem Dilemma. Was enthält Münklers Buch noch? Eine Analyse der Problematik präventiver Kriege gegen unsichtbare Gegner, die Befürchtung, dass es mehr davon geben könnte, und die Voraussage einer "Drei-Klassen-Gesellschaft" der internationalen Ordnung: Staaten, die am Gewaltverbot der UN-Charta festhalten, andere, die sich darüber hinwegsetzen und das als Atommächte auch können - und die USA, die als einzige verbliebene Supermacht darüber bestimmen können, was einen Ausnahmefall darstellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2003

Anscheinend kann man den neueren Verlagsstrategie "Katastrophendruck" nur mit einer gehörigen Portion Witz und Ironie begegnen. So nimmt der mit "ff" zeichnend Rezensent die Erscheinung des Buches "Der neue Golfkrieg" von Herfried Münkler zum Anlass, um über "die schreibende und druckende Zunft und neue Typen des noch qualmenden Buchs" und deren "aussichtslose Konkurrenz" zu den elektronischen Medien zu berichten. Sie nehmen den Kampf aber auch immer wieder auf und seit dem 11.September 2001 mit wachsenden Erfolg. Im jüngsten Irakkrieg scheint man noch eine höhere Qualitätsstufe erreicht zu haben: Münklers "Doppelstrategie von Talk-Show-Präsenz und eingebetteter Historiografie". Die Feststellung des Rezensenten, dass die Kriegsschreiber gelegentlich "schneller schrieben" als andere "feuern konnten", lässt seine Ansicht über die Qualität Münklers "Der neue Golfkrieg" erahnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2003

Der zweite Irakkrieg hat sein erstes Buch, dass in "rekordverdächtiger Zeit von nur einer Woche" gedruckt und auf den Markt gebracht wurde, staunt Volker Ullrich. Leider merke man das dem Text auch an, denn erstens kann von sorgfältigen Lektorat nicht die Rede sein und zweitens bleibt auch die "Analyse bemerkenswert unscharf", befindet der unzufriedene Rezensent. Mit seinem Buch verfolge der Politikwissenschaftler Herfried Münkler zwei Ziele: er analysiert die Motive der USA für diesen Krieg und untersucht die weltpolitischen Folgen. Laut Ullrich gerät die Motivsuche dabei als eine "Vision, wie aus einer Hochglanzbroschüre des Weißen Hauses abgeschrieben": Münkler behaupte, die USA verfolgen weniger ökonomische Interessen , sondern wollen ein "Prosperitätsregime" im Irak errichten, dass "vorbildlich auf die ganze Region ausstrahlen" und die "Selbstblockaden" der arabischen Welt lösen werde. Andere wichtige Aspekte kommen in dem "allzu hastig geschriebenen Buch" eindeutig zu kurz, zum Beispiel werde der israelisch-palästinensische Konflikt vollständig ausgeblendet, moniert Ulrich, und Fragen über die weitere politische Strategie der US-Administration geraten eindeutig zu kurz.