Tan Twan Eng

Das Haus der Türen

Roman
Cover: Das Haus der Türen
DuMont Verlag, Köln 2025
ISBN 9783755800187
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Malaysia 1921. Lesley Hamlyn lebt das äußerlich angenehme und gleichförmige Leben einer Frau der britischen Kolonialgesellschaft. Mit dem Eintreffen von Willie Somerset Maugham, einem alten Freund ihres Ehemanns Robert, kehrt Lebendigkeit in das Haus zurück und Erlebnisse der Vergangenheit drängen an die Oberfläche. Somerset Maugham ist zu diesem Zeitpunkt ein berühmter Schriftsteller, jedoch getrieben von Sorgen und Ängsten. Je stärker sich Lesley und er anfreunden, desto mehr Geheimnisse vertraut sie ihm an: ihre frühere Unterstützung politischer Rebellen, die das alte China beenden wollten, ihre Affäre mit einem chinesischen Mann, der Niedergang ihrer Ehe. Am Beispiel einer Freundin begreift Lesley, wie aussichtslos ihre Liebe ist und wie verheerend die Folgen für sie wären: ohne finanzielle Mittel, gesellschaftlich geächtet, würde sie ohne ihre Kinder leben müssen. Wie Somerset Maugham muss auch sie ihr wahres Ich verbergen und ihre unglückliche Ehe ertragen. Trost findet sie einzig in dem Gedanken, sie könne ihren Geliebten eines Tages wiedersehen. Doch Robert hat längst beschlossen, diesen Teil der Welt zu verlassen und nach Südafrika zu ziehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2025

In Tan Twan Engs neuem Roman trifft Kritikerin Katharina Borchardt auf alte Bekannte: Die Figuren Lesley und Robert Hamlyn kennt sie von William Somerset Maugham, der selbst auch in dieser Geschichte auftaucht, die auf Penang, einer malaysischen Insel, spielt. Auch weitere real verbürgte und fiktional wohlbekannte Figuren tauchen auf, was Borchardt zufolge zu einer spannenden Figurenkonstellation führt, bei der sie sich ein bisschen fühlt, als wäre sie in den "realitätsnäheren Backstage-Bereich" der Maugham - Erzählungen geraten. Da geht es zum Beispiel um die junge Britin  Ethel Proudlock, die es wirklich gab, und die 1911 ihren Mann erschoss, wie wir lesen. Aber auch um den chinesischen Revolutionär Sun Yat-sen, den Tan in seinem Roman bei den Hamlyns vorbeischauen lässt. Das gleichberechtigte Nebeneinander von historischen und fiktiven Figuren muss man annehmen, rät die Kritikerin, dann entspannt sich ein "sinnliches Kolonialpanorama aus Penanger Perspektive". Zu recht war dieses Buch mit seiner "erzählerischen Eleganz" für den Booker Prize nominiert, findet sie. Sie freut sich, dass hier nicht nur malaysische Literatur eine Stimme bekommt, sondern auch die Figuren der Literatur, egal, ob sie echt gelebt haben oder nicht. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2025

Tan Twang Eng verfolgt in "Das Haus der Türen" einen originellen literarischen Ansatz, den er überaus virtuos umzusetzen weiß, lobt Rezensent Bernd Eilert. Ausgehend von einigen bekannten Fakten erzählt Tan Twang Eng hier, wie William Somerset Maugham während eines Besuchs in der britischen Kolonie Malaya 1921 zum Stoff für seine berühmte Erzählung "Der Brief" gekommen sein könnte. Eine Art Prequel also oder Rahmengeschichte. Dabei verhält sich Engs Roman zu Maughams Erzählung in etwa so wie ein breites, detailreiches und farbenprächtiges Sittengemälde zu einer "Kohlezeichnung", beschreibt Eilert. Wo der Brite sich auf Andeutungen beschränkte, malt Tan Twang Eng kunstvoll aus - beschreibt mit Hingabe und Präzision die Natur seiner Heimat und ihre Menschen. Dass er dabei hin und wieder etwas allzu "dick aufträgt", kann der Rezensent ihm verzeihen, zumal Eng die malayische Gesellschaft, die Beziehung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, sowie zwischen Kolonisierten und Kolonisierenden sehr genau schildert, frei von jeglicher Verbrämung. Gekonnt verknüpft der Autor hier eigenes Wissen mit Motiven und Figuren Maughams, verwebt Fakt und Fiktion, Biografie und Werk, sodass wohl auch Maugham selbst seine Freude daran gehabt hätte, so der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.05.2025

Insgesamt positiv bespricht Rezensent Oliver Pfohlmann Tan Twan Engs Roman, in dem einiges los ist: Zunächst geht es um einen fiktiven Besuch des britischen Schriftstellers W. Somerset Maugham bei einem Ehepaar in British-Malaya. Das weiß zwar um Maughams Angewohnheit, Klatsch und Tratsch aus seinem Freundeskreis in Literatur zu verwandeln, und dennoch erzählt Lesley Hamlyn, die Frau des Hauses, einiges aus ihrem Leben: Ein Revolutionär aus China, der von einer egalitären Gesellschaft träumt, kommt darin vor, die Affären sowohl Lesleys als auch ihres Mannes werden thematisiert - und schließlich noch ein historischer Kriminalfall um eine des Mordes angeklagte Britin. Das ist manchmal arg unübersichtlich geraten, findet der Rezensent, hat aber dennoch Freude an der Lektüre, da es Tan Twang Eng gelinge, Fakten und Fiktion geschickt miteinander zu verbinden und mit schönen Beobachtungen über Zeit und Ort der Handlung sowie Gedanken zur repressiven Sexualmoral der Kolonialzeit anzureichern. Auch Michaela Grabingers Übersetzung findet Pfohlmanns Zuspruch.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.04.2025

Für den Rezensenten Marko Martin ist der neue Roman des malaiischen Schriftstellers Tan Twan Eng schlicht ein "Meisterwerk": Wir tauchen darin ab in die Hafenstadt Penang und das Jahr 1921, Kolonialismus und das Patriarchat strukturieren die Gesellschaft, da taucht der  Schriftsteller William Somerset Maugham auf, der gerade festgestellt hat, pleite zu sein und zudem unter einer Schreibblockade zu leiden.  Er ist zu Gast bei seinen Freunden Robert und Lesley, wo sich in klugen Dialogen nicht nur verschiedene Vorstellungen von Macht geäußert werden, sondern Maugham auch auf eine neue Geschichte stößt, die er zu einem Theaterstück macht. Leslies Freundin Ethel, so erfahren wir, hat 1910  einen Mann erschossen, nicht klar ist, ist, ob es Notwehr  gegenüber einem Vergewaltiger war oder ob sie sich nur eines Liebhabers entledigen wollte - langsam enthüllt sich die Wahrheit über verschiedenste Abgründe, die der Autor so kunstvoll beschreibt, hält Martin abschließend fest.

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