T.C. Boyle

Die Frauen

Roman
Cover: Die Frauen
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446232693
Gebunden, 560 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Kathrin Razum und Dirk van Gunsteren. Er ist genial, er ist exzentrisch und er ist der berühmteste Architekt der USA - wenn nicht gar der Welt: Mit der überlebensgroßen Figur Frank Lloyd Wright erweitert T. C. Boyle seine Darstellung mythischer Amerikaner. Mitten in der Prärie hat Wright einen Traum verwirklicht: das Anwesen Taliesin. Hier lebt und arbeitet er mit seinen treuen Schülern und seinen geliebten Frauen: der aparten Tänzerin aus Montenegro, der exaltierten Morphinistin und - natürlich - Mrs. Wright. Sie alle führen erbitterte Kämpfe gegen ihre Nebenbuhlerinnen und gegen die bigotte amerikanische Gesellschaft. Boyles Geschichte des großartigen Egomanen ist zugleich eine Kritik an der Prüderie der Amerikaner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.06.2009

Das Leben als Problem ist dem Rezensenten Adam Soboczynski im neuen Roman T.C. Boyles begegnet, der nur bis zu einem gewissen Punkt unterhaltsam sei, dann aber eine Abrgündigkeit entwickele, die im Inferno ende. Es geht um den Architekten Frank Lloyd Wright und seine berühmt-berüchtigten Frauengeschichten, die Boyle quasi um eine Feuerstelle in seinem Präriehaus Taliesin herum konstruiert. Sie sind morphiumsüchtig und niederträchtig oder kränklich und eifersüchtig, sie quälen, scheitern oder kommen im Feuer um. Ein wenig vage bleibt Soboczynski in Hinsicht auf die dramatische Steigerung gen Ende hin, natürlich will er nichts verraten und deutet nur an, dass hier alles - in Korrespondenz zum Mythos des Westens und der frontier -  auf die "unterdrückte, archaische Gewalt des Kontinents" zuläuft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2009

Mit hohem Lob bedenkt Rezensentin Irene Binal den neuen Roman von T. C. Boyle, in dem nach Kellog und Kinsey zum dritten Mal eine prominente Persönlichkeit im Mittelpunkt steht: der Frank Lloyd Wright. Der berühmte Architekt, dem sich Boyle aus den Blickwinkeln von dessen Frauen und Geliebten annährt, erscheint für sie nicht nur als "faszinierender Egomane", der eigene Wege geht, sondern auch als "moderner Freigeist", der seiner Zeit weit voraus war. Zwar wirken die ersten Kapitel auf sie noch etwas "schwerfällig". Dann aber kommt der Autor zu ihrer Freude in Fahrt und der Roman gewinnt an Tempo und Rasanz. Dabei gelinge es Boyle, seinem Protagonisten so nahe zu kommen wie kaum einer Figur davor. Binals Fazit: ein "nachhaltiges, berührendes, fesselndes und beeindruckendes Denkmal gesetzt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2009

Hinter das Geheimnis seines Schaffens und Liebens kommt Pia Reinacher durch die Lektüre dieses Romans über Frank Lloyd Wright leider nicht. Dafür erfährt sie die "nervöse Formulierungslust" T. C. Boyles am eigenen Leib. Reinacher wird von Anbeginn mitgerissen ins Labyrinth des Architektenlebens, erkennt die Exzentrik und Zerrissenheit des Protagonisten und durchliebt und durchleidet seine Frauengeschichten. Boyles multiperspektivisch, halb fantastisch, halb dokumentarisch angelegte Story hat laut Reinacher jedoch ihre Fährnisse. Zu sehr verliert sich der Autor und mit ihm die Leserin in "Abschweifungen und Sackgassen", ohne dabei dem Kern Wrights wirklich näher zu kommen. Ein weiteres Problem erkennt Reinacher in der offenbar an Wright architektonisches Credo angelehnten Horizontalität der Erzählkonstruktion. Für Reinacher eine "ermüdende" Szenenaddition ohne eigentliche Dramaturgie und Hierarchie. Außerdem nervt das Buch die Rezensentin mit seinen Wiederholungen und Insistierungen. Sogar der Lichtblick des Buches, die "faszinierenden" Frauenfiguren, wirkt auf das Rätsel Wright für Reinacher nur wenig erhellend.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2009

Gerhard Matzig kann seine Enttäuschung angesichts von T. C. Boyles jüngstem Roman, in dem er den Architekten Frank Lloyd Wright und seine Frauen porträtiert, nicht verbergen. Dass die drei Ehefrauen und die Geliebte trotz des ihnen gewidmeten Titels überwiegend als Staffage erscheinen, von den Kindern ganz zu schweigen, findet der Rezensent befremdlich genug. Dass der amerikanische Autor das ohnehin an spektakulären Wendungen reiche Leben Wrights ungeachtet der ambitioniert-komplizierten Struktur des Romans derart "brav" nacherzählt, hätte er nicht erwartet. Am tiefsten aber enttäuscht ihn, dass Boyle, dessen Sprachgewalt und mitreißende Erzählweise Matzig in früheren Romanen schätzen gelernt hat, den Architekten Wright überhaupt nicht zu fassen kriegt, seine Architektur bestenfalls in "Klischees" anklingen lässt und das, so der Rezensent mit einem Anflug an Empörung, obwohl der Autor selbst ein Wright-Haus bewohnt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2009

Nicht so recht erwärmen kann sich Rezensent Frank Schäfer für T. C. Boyles neuen Roman, im Gegensatz etwa zum letzten Buch des Autors, der Hippie-Hommage "Drop City", die er ganz wunderbar fand. Er beschreibt "Die Frauen" als einen "Faction-Roman", in dessen Mittelpunkt der berühmte Architekt Frank Lloyd Wright steht, der von drei Frauen porträtiert wird. Das Buch scheint ihm fast mehr eine Biografie als ein Roman zu sein. Dabei hebt er das Bemühen des Autors hervor, aus der Biografie des Architekten mittels "artistischer Anstrengungen" einen "richtigen" Roman zu machen, etwa mit einer Fülle von "ironischen Brechungen und poetologischen Metakommentaren". Dennoch fällt das Buch für Schäfers Geschmack zu faktenreich aus. Er hält Boyle vor, zu oft den "positivistischen Faktenhuber" zu geben und sich zu sehr von den Daten und Fakten beschränken zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass das Buch auf Schäfer oft einfach "langweilig" wirkt.
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