Susanne Schattenberg

Leonid Breschnew

Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins. Eine Biografie
Cover: Leonid Breschnew
Böhlau Verlag, Wien 2017
ISBN 9783412502096
Gebunden, 661 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Leonid Breschnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte fast zwei Jahrzehnte lang die Entwicklung der Sowjetunion. Anders als im Westen lange behauptet, war Breschnew kein "Hardliner" oder "Restalinisierer", sondern hatte selbst unter Stalin gelitten und so viel Leid gesehen, dass er "Wohlstand für alle" zur Generallinie der Partei erklärte. Das Grauen, das er im Zweiten Weltkrieg erlebt hatte, ließ ihn den Ausgleich mit dem Westen suchen. Breschnew mimte den westlichen Staatsmann und wurde von seinen Partnern als einer der ihren akzeptiert. Doch als 1974 Georges Pompidou starb und Willy Brandt sowie Richard Nixon zurücktraten, sah sich Breschnew vor dem Trümmerhaufen seiner Entspannungspolitik. Denn, was im Westen niemand ahnte, im Kreml gab es keinen politischen Kurswechsel. Stress und Schlaflosigkeit führten Breschnew in eine Tablettensucht, die seine Friedensbemühungen weiter ruinierte: Den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan 1979 entschied eine Politbüro-Troika ohne ihn. Ein "Mensch in seiner Zeit": Die Osteuropahistorikerin Susanne Schattenberg legt, basierend auf zahlreichen bislang nicht zugänglichen Quellen, die erste wissenschaftliche Biographie über Leonid Breschnew vor - zu seinem 35. Todestag im November 2017.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2018

Norbert Mappes-Niediek erwartet keinen sicheren Platz in der Geschichte für Breschnew, jedenfalls nicht von Susanne Schattenbergs detaillierter, fairer und laut Rezensent psychologisch überzeugender Biografie des Staatslenkers auf Valium. Das Bild des chronisch überforderten Kümmerers zeichnet ihm die Autorin anhand spärlicher Quellen im direkten Vergleich zu Chruschtschow und aus Sicht der Sowjetbürger, die Stalin erlebt hatten. Manche politische Entscheidung Breschnews erscheint dem Rezensenten so in einem anderen Licht, seine Rolle im Zweiten Weltkrieg bleibt für Mappes-Niediek indes weiterhin unklar.