Susanne Mayer

Deutschland armes Kinderland

Wie die Ego-Gesellschaft unsere Zukunft verspielt
Cover: Deutschland armes Kinderland
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821839646
Gebunden, 260 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Massive Privilegien für Familien! Kinder in ihre vollen Bürgerrechte einsetzen! Radikaler Umbau des Sozialsystems ! Elternteilzeit bei 90 Prozent Lohn! Das sind nur einige der grundstürzenden Forderungen, mit denen Susanne Mayer den Kollaps der deutschen Gesellschaft vermeiden will. Ihre Analyse ist aufrüttelnd: In vielen deutschen Großstädten scheint es, als gäbe es keine Familien mehr. Über 50 Prozent der Menschen leben in Single-Haushalten und müssen ihr Einkommen mit niemandem teilen. Wer hingegen ein Kind großzieht oder gar mehrere Kinder hat, gerät schnell in die Armutsfalle. So geht ein Riss durch das arme reiche Deutschland, die Kluft zwischen Kinderlosen und Eltern wird immer tiefer, eine neue Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.02.2003

Bücher zum Thema Kinder haben derzeit Konjunktur. Nach "Erziehungsnotstand", "Erziehungskatastrophe" oder "S.O.S. Familie" ist "Deutschland armes Kinderland" von Susanne Mayer ein weiteres Beispiel. Aber ein - im großen und ganzen - gelungenes, findet Rezensentin Barbara Dribbusch. In Deutschland herrschen "Kindervergessenheit" und "soziale Sterilität", diagnostiziere die Autorin. Ihre politischen Forderungen - hohe Kindergrundfreibeträge in der Steuer, Familienlohn, Familienwahlrecht - findet Dribbusch freilich nicht ganz neu. Doch das Buch wolle mehr sein als eine Aufzählung politischer Maßnahmen, hält Dribbusch fest. "Mayer will eine neue Wertedebatte führen", erklärt sie das Anliegen der Autorin, "in der die Kinderfreundlichkeit einer Gesellschaft zum höchsten politischen Maßstab erkoren wird." Bisweilen hat Mayers Streitschrift die Rezensentin allerdings ein wenig genervt, etwa wenn sie Eltern als "stumm und wehrlos" beschreibt und beklagt, dass Mütter in einer "Domäne der Nichtbeachtung und Missachtung" leben. Nichtsdestoweniger gibt Dribbusch der Autorin Recht, wenn sie eine "Art ideologischen Brückenschlag" zwischen Eltern und Kinderlosen versucht. Schließlich hält auch die Rezensentin eine kindergerechte Gesellschaft selbst für Kinderlose für die bessere Alternative - und das nicht nur wegen der zu erwartenden Rentenprobleme.