Aus dem Englischen von Wolfgang Bortlik. No Future Party, Spartacist Workers Group, The Church Of Valerie Solanas usw. heißen die rechten und linken Rudel, die regelmäßig in Londons Straßen aufmarschieren und sich gegenseitig die Hucke vollhauen. Während Steve Drummond, der neue Anführer von Class Justice, wegen seiner sehr katholischen Freundin den Kontakt zur Bewegung verliert, erlebt der Haudegen Nick Carter einen zweiten Frühling. Seine Nihilist Alliance, in der die schlagkräftigsten Londoner Lumpenproletarier vereint sind, sät fröhlich Furcht und Schrecken. Allerdings hat Nick nicht mit den drei Frauen der Nazi-Sekte The White Seed Of Christ gerechnet. Ihr Auftrag: mit Blow Jobs in der linken Szene Carter ausfindig zu machen und vor seiner Liquidierung seinen arischen Samen zu retten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.08.2001
Uwe Schütte hat sich mit der bissigen Satire "Blow Job" des britischen Autors Stewart Home spürbar amüsiert. Das kann der Leser jeder Zeile seiner Besprechung entnehmen, an deren Ende große Neugier und ein großes Fragezeichen stehen. Das Buch über rechts- und linksextreme Politgruppen des Londoner Undergrounds, die mit nichts anderem beschäftigt sind als sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, sich überaus blutrünstiger Feministinnengruppen zu erwehren und gelegentlichen "Blow Jobs", also bezahltem Oralsex nachgehen, wird in Deutschland einen Aufschrei der Empörung auslösen, prophezeit der Rezensent. So viel political uncorrectness verträgt die deutsche Lesergemeinde nicht, mutmaßt Schütte, der das deutlich bedauert. Den flachen Plot, holzschnittartige Charaktere und die zwar passable, aber doch fehlerhafte Übersetzung zu kritisieren, sei hier sinnlos, denn der Witz liegt für den Rezensenten in dem unerschrockenen Spiel des "enfant terrible der englischen Literaturszene" mit Versatzstücken aus der Trivialliteratur (Pornografie, Comic Strip, Thriller und "pulp novel", eine amerikanischen Variante des Groschenromans).
Ein "Meisterwerk der Kolportage" stellt Stewart Homes "Blow Job" für Frank Schäfer schon dar, aber bei allem Spaß, den er an dieser von Schmuddelsex und Polit-Trash strotzenden Geschichte aus London hat, beschleichen ihn dennoch Bedenken. Er spricht von Regression und meint damit nicht Homes serielles Prinzip, das Stereotypen über minimale Veränderungen vorführt und durchexerziert. Schäfer irritiert vielmehr das "zyklische reaktionäre Geschichtsbild", das dahinter steht und ihn an Anthony Burgess und sein "Clockwork Orange" erinnert. Wie bei Burgess setzt er eine Geschichte und Entwicklung leugnende Grundhaltung bei Home voraus, die die Wiederkehr des Immergleichen annimmt und pulpmäßig abfeiert. Für das London Homes heißt das: rohe Sexualität, politischer Agitprop, bürgerkriegsähnliche Straßenkämpfe, in denen politische Überzeugungen nicht wirklich zählen.
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