Jack Urwin

Boys don't cry

Identität, Gefühl und Männlichkeit
Cover: Boys don't cry
Edition Nautilus, Hamburg 2017
ISBN 9783960540427
Kartoniert, 232 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Elvira Willems. Männer weinen nicht. Sollten sie aber, denn sie haben allen Grund dazu: Starre Männlichkeitsbilder beherrschen noch immer die Identifikationsangebote - sei es in Erziehung, Beruf, Werbung oder Mainstream-Medien. Stark, unbesiegbar, wild und immer auf der Gewinnerspur sollen Männer sein, ob sie wollen oder nicht. Jack Urwin hat genug davon. Es reicht ihm nicht, dass der starke Mann heute auch mal weinen oder Elternzeit nehmen darf, sondern er fragt, warum Männer überhaupt stark sein müssen. Warum messen wir Menschen noch immer an Stereotypen, wo es uns ohne doch viel besser ginge? Dieses Buch ist der Beginn einer längst überfälligen Debatte darüber, wie eine positive, moderne Männlichkeit aussehen kann und wie wir dahin gelangen können, sie zu leben.
Unter anderem ausgelöst vom frühen Tod seines Vaters hat Jack Urwin 2014 den weltweit viel beachteten Essay "A Stiff Upper Lip Is Killing British Men" im Vice Magazine veröffentlicht, dessen Themen er hier fortführt. Von der Mob-Mentalität, wie sie bei Fußballspielen und in Fight Club zur Schau gestellt wird, bis zu unseren Großvätern, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrten, ohne je gelernt zu haben, über ihre Gefühle zu sprechen, untersucht Urwin, wie der Mythos der Maskulinität entstanden ist und warum er toxisch, ja tödlich ist. Warum tun wir uns trotzdem so schwer damit, diese fragwürdigen Ideale hinter uns zu lassen? Teils Essay, teils persönliches Manifest, ist "Boys don't cry" eine Auseinandersetzung mit toxischer Maskulinität und ihren Folgen - und ein Plädoyer für einen anderen Umgang miteinander.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2017

Immerhin hat sich Rezensent Caspar Shaller mit Jack Urwins "Boys don't cry" ganz gut amüsiert. Empfehlen würde er das Buch allerdings eher verklemmten Teenagern: Urwins Diagnose einer vergifteten Männlichkeit und die Analyse der Ursachen findet Shaller durchaus "klug" und witzig, die Erkenntnisse der Gender-Wissenschaften werden vorbildlich referiert. Allerdings hat der Kritiker während der Lektüre das Gefühl, dass wir längst weiter sind und eine neue Definition von Männlichkeit irgendwie überflüssig ist. Vor allem aber stört ihn der "angestrengte" Jugendton des Autors, der seine Leser durchgehend mit "kleine Scheißer" anspricht.

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