Klappentext

Eigensinnig beharren die Gedichte von Steffen Jacobs auf den Wonnen der Individualität. Was auf den ersten Blick witzig wirkt, kann bei näherem Hinhören dunkle Untertöne preisgeben. Umgekehrt münden Anfälle von Verzagtheit in jähe Zuversicht: "So stürze ich zu dir, Liebe, durch / städtisches Feld, ein frisch vom Baum / gesprungener, endlich für fruchtbar / befundener Held: Meine Versehrung!" Manche Gedichte erinnern in ihrer lakonischen Kürze an magische Bannsprüche, andere beweisen den langen Atem des Sängers. Gemein ist ihnen, dass sie sich Leser wünschen, die ohne die vorgefertigten Schablonen von "komischer" und "ernster", von "hoher" und "niedriger" Poesie auskommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2010

Thomas Poiss stellt die Gedichte von Steffen Jacobs, der sich auch schon mal als "Lyrikdoktor" und "Lyrik-TÜV" betätigt hat, nun selbst auf den Prüfstand seiner Lyrikbestimmung, dass nämlich Gedichte Erfahrung in Sprache umzuwandeln hat. Vorausgesetzt, man kann der Reimform etwas abgewinnen und schätzt "Doppelsinn", kann man sich formal durchaus an so manchem Gedicht erfreuen, meint der Rezensent. Was aber die in Sprache gefasste Erfahrung angeht, sieht sich Poiss allzu oft mit "Altherren"-Humor und bemühtem Witz konfrontiert. Auch wenn Jacob in den Augen des wohlwollenden Rezensenten punktuell durchaus treffende Texte gelingen, stört ihn vor allem dessen Hang, das "letzte Wort" behalten zu müssen. Und so befürchtet er vor allem, Jacobs Gedichte werden letztlich der Zeit nicht standhalten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2010

Die "kleinen Irritationen des Alltags" findet Rezensent Martin Zingg in Steffen Jacobs Gedichtband in eine strenge lyrische Form gebracht. Immer wieder sieht er die schwierige Balance "zwischen der Form und Gefährdung" thematisiert. Zumeist seien es "winzige" Schrecken, die in die Gedichte eingingen, Schrecken, die erst dadurch spürbar würden, dass Jacobs sie benennt. Nicht alle, aber viele Gedichte des Bandes sind in Zinggs Augen sehr gelungen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.03.2010

Mit zwei Lyrikbänden beschäftigt sich Andreas Wirthensohn und entdeckt in ihnen Alltagsnähe und Lust am Spielen mit traditionellen Formen. Steffen Jacobs' Gedichtband "Die Liebe im September" reißt den Rezensenten allerdings nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin. Viel zu oft opfert in seinen Augen der Autor den Inhalt der Form, ein gelungener Reim scheint ihm allemal wichtiger als die treffende Aussage, beschwert sich Wirthensohn. Deshalb sei man bei dem Gedicht "Abenteuer Mensch" beispielsweise am Ende "kein bisschen schlauer", worin dieses Abenteuer besteht, nörgelt der Rezensent weiter. Er kann sich für die Wortspiele Jacobs' nicht recht begeistern und die Liebe, die nicht nur im Titel, sondern auch im vorangestellten Motto präsent ist, bleibt in seinen Augen eine ziemlich "unterkühlte" Sache in diesen Versen. Freude können noch am ehesten die Gedichte bei ihm wecken, die spielerisch mit Lyriktraditionen umgehen, wie etwa die "hübsche Parodie" auf Stefan Georges "komm in den totgesagten Park".
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