Stefanie Sargnagel

Oktoberfest

Ein Spaziergang auf der Wiesn
Cover: Oktoberfest
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498009557
Gebunden, 96 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Allen Warnungen zum Trotz und in ein Dirndl geschnürt, begibt sie sich an einen Ort, der für viele eine Zumutung ist und für andere der Himmel.Das bietet viel Anlass zum Nachdenken über die liebenswerten und weniger schmeichelhaften Gemeinsamkeiten von Österreich und Bayern. Vor allem ist es aber ein konsequenter Absturz in den Rausch, wie er so nur in Bayern vorstellbar ist. Es wird nicht getrunken, sondern gesoffen, gefressen und gehurt, gewankt, gekotzt, das Bewusstsein verloren, alles in dem Hochgefühl, dass es genau so sein soll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.09.2026

Nur 53 Seiten hat Stefanie Sargnagels Text über das Oktoberfest, aber die sind randvoll mit den Abgründen, die sich auf dem Volksfest auftun, verrät der zu gleichen Teilen amüsierte, belustigte und angeekelte Rezensent Andreas Lesti. Der Text ist die Basis für ein Theaterstück am Münchner Volkstheater, erfahren wir, actionreich geht es zu: Das Bier fließt fassweise, es "sickert in die Beine" und "vergrößert Ödeme", hemmungslos wird gesoffen. Genauso hemmungslos erzählt Sargnagel Lesti zufolge auch von den Eskapaden der Besucher, wobei sich gelegentlich fantasievolle Übertreibungen einschleichen, eine bierselige Frau beispielsweise verwechselt den Brathähnchen-Hut eines Mannes mit Nahrung und beißt ihm kurzerhand mit "enormer Kieferkraft den halben Kopf ab". Derb schreibt die Autorin über paarungswillige "grobschlächtige Bayern", über Trachtenkapellen, über Menschen, die ihren Rausch einfach mitten auf dem Weg ausschlafen, bei manchen Szenen hofft der Kritiker sehr, dass auch sie nur ausgedacht sind, ahnt aber anderes. Der Wahnwitz, die satirischen Spitzen und die Deftigkeit erinnern ihn an Olli Dittrich oder Helge Schneider und machen das kurze Buch zu einem herrlich parodistisch-spaßigen Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2026

Bei allem Graus, dem der Oktoberfest-Exzess in einem auslösen mag, hat Rezensent Tobias Sedlmaier doch eine vergnügliche Lektüre mit Stefanie Sargnagels Reportage - eine zweite zum Wiener Opernball enthält der Band auch noch, aber mit der Wiesn könne die Autorin dann doch mehr anfangen, meint Sedlmaier: erfrischend "deftig und anarchisch", keinesfalls nur "verächtlich" nähert sie sich diesem speziellen Biotop, stürzt sich auch selbst hinein, und findet eine sehr unterhaltsame Mischung aus Beobachtung und ins Horrorhafte kippender, surrealer Überzeichnung, freut sich Sedlmaier - da werden Männer-Gehirne von Frauen verspeist und Knöpfe an den Trachten getragen, die "geschnitzt aus den Fingerknochen vom Urgrossvater" sind; auch der "schwammige Panzer aus Östrogen" um die bayerischen Biertrinker begeistert ihn. Zum "Sinn und Unsinn" der gesamten Veranstaltung liefere Sargnagel zwar keine neuen Ideen, aber das scheint für Sedlmaier auch sehr okay zu sein in diesem "Feuerwerk an Absurditäten".

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Maxim Biller. Schwarze Samstage - Roman eines Jahres. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Maxim Biller: Schwarze Samstage
Eigentlich dachte Ari, der Ich-Erzähler von Maxim Billers neuem Roman, Ende der siebziger Jahre sei das Schlimmste vorbei gewesen: Nach ihrer Flucht aus der kommunistischen…