Klappentext
Allen Warnungen zum Trotz und in ein Dirndl geschnürt, begibt sie sich an einen Ort, der für viele eine Zumutung ist und für andere der Himmel.Das bietet viel Anlass zum Nachdenken über die liebenswerten und weniger schmeichelhaften Gemeinsamkeiten von Österreich und Bayern. Vor allem ist es aber ein konsequenter Absturz in den Rausch, wie er so nur in Bayern vorstellbar ist. Es wird nicht getrunken, sondern gesoffen, gefressen und gehurt, gewankt, gekotzt, das Bewusstsein verloren, alles in dem Hochgefühl, dass es genau so sein soll.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.09.2026
Nur 53 Seiten hat Stefanie Sargnagels Text über das Oktoberfest, aber die sind randvoll mit den Abgründen, die sich auf dem Volksfest auftun, verrät der zu gleichen Teilen amüsierte, belustigte und angeekelte Rezensent Andreas Lesti. Der Text ist die Basis für ein Theaterstück am Münchner Volkstheater, erfahren wir, actionreich geht es zu: Das Bier fließt fassweise, es "sickert in die Beine" und "vergrößert Ödeme", hemmungslos wird gesoffen. Genauso hemmungslos erzählt Sargnagel Lesti zufolge auch von den Eskapaden der Besucher, wobei sich gelegentlich fantasievolle Übertreibungen einschleichen, eine bierselige Frau beispielsweise verwechselt den Brathähnchen-Hut eines Mannes mit Nahrung und beißt ihm kurzerhand mit "enormer Kieferkraft den halben Kopf ab". Derb schreibt die Autorin über paarungswillige "grobschlächtige Bayern", über Trachtenkapellen, über Menschen, die ihren Rausch einfach mitten auf dem Weg ausschlafen, bei manchen Szenen hofft der Kritiker sehr, dass auch sie nur ausgedacht sind, ahnt aber anderes. Der Wahnwitz, die satirischen Spitzen und die Deftigkeit erinnern ihn an Olli Dittrich oder Helge Schneider und machen das kurze Buch zu einem herrlich parodistisch-spaßigen Lesevergnügen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2026
Bei allem Graus, dem der Oktoberfest-Exzess in einem auslösen mag, hat Rezensent Tobias Sedlmaier doch eine vergnügliche Lektüre mit Stefanie Sargnagels Reportage - eine zweite zum Wiener Opernball enthält der Band auch noch, aber mit der Wiesn könne die Autorin dann doch mehr anfangen, meint Sedlmaier: erfrischend "deftig und anarchisch", keinesfalls nur "verächtlich" nähert sie sich diesem speziellen Biotop, stürzt sich auch selbst hinein, und findet eine sehr unterhaltsame Mischung aus Beobachtung und ins Horrorhafte kippender, surrealer Überzeichnung, freut sich Sedlmaier - da werden Männer-Gehirne von Frauen verspeist und Knöpfe an den Trachten getragen, die "geschnitzt aus den Fingerknochen vom Urgrossvater" sind; auch der "schwammige Panzer aus Östrogen" um die bayerischen Biertrinker begeistert ihn. Zum "Sinn und Unsinn" der gesamten Veranstaltung liefere Sargnagel zwar keine neuen Ideen, aber das scheint für Sedlmaier auch sehr okay zu sein in diesem "Feuerwerk an Absurditäten".
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