Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach. Nein, einen Reisebericht kann man dieses Buch nicht nennen, eher einen Bildungsroman oder einen Selbstversuch. Hier wirft sich ein junger Amerikaner hemmungslos seiner Lieblingsphantasie in die Arme und erlebt ein postkommunistisches Road movie in zwei Versionen: einmal als Filmemacher auf den Spuren des sibirischen Schamanentums, das zweite Mal als Handlanger einer hochstaplerischen Import-Export-Firma. In diesen beiden Rollen verwandelt er sich nicht nur selber, er erfährt auch die Absurdität und den Zerfall der postsowjetischen Welt. Ein wildes Panoptikum von Spekulanten, Auftragskillern, Bürokraten und Alkoholikern tut sich auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2002
Gleich zwei Abenteuerromane in einem Band, das weckt Hoffnung auf spannendes Lesevergnügen, die sich nach der Rezension von Susanne Ostwald zu bestätigen scheint. Offenbar kann man sich darüber hinaus auf einen unkonventionellen Vertreter des alten Genres freuen, denn der in den USA lebende Autor dieses Buches, Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters, wirft einen ganz eigenen Blick auf den "wilden Osten". Die Erlebnisse des Abenteurers Sullivan sind wohl so ausgefallen und skurril, dass die Rezensentin vorsichtshalber darauf hinweist, dass sie nicht "einer (Wodka-induzierten) Phantasie entsprungen, sondern weitgehend autobiografisch geprägt" sind. Ostwald gefällt dabei besonders, dass der an der Oxford Universität promovierte Sullivan, der sich in seinem Roman deutlich von bildungsbürgerlichen oder esoterischen Attitüden zu distanzieren sucht und "schelmisch-provozierend" gegen den Mainstream der Political-Correctness anschreibt, sich gleichzeitig als genauer Kenner seines Stoffes ausweist. Seine Erzählungen sind dadurch nicht nur abwechslungsreich und unterhaltend, sondern auch erhellend, resümiert Ostwald.
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