Kaum ein philosophischer Autor des 20. Jahrhunderts hat weniger über Ethik geschrieben als Wittgenstein. Dennoch wurden seine Schriften von Anbeginn von einem "ethischen" Impetus gespeist. Es ging dem Philosophen darum, die "philosophische Anschauungsweise" seiner Zeit zu verändern und zu einer "richtigen Sicht" der Dinge zu verhelfen, die die Probleme des Lebens ebenso wie das Quälende philosophischer Fragen zum Verschwinden bringt. In seiner Frühphilosophie propagierte er eine Sicht "sub specie aeternitatis", in der sich der "ethische Sinn" des "Tractatus" mit einer Theorie der Bildlichkeit des Satzzeichens verbindet. Der neue Denkstil des Spätwerks führt Wittgensteins Philsophieren zu einer Sicht "sub specie hominis". Majetschak zeigt, wie sich dieser Denkstil in den Hauptthemen des Spätwerkes niederschlägt und Perspektiven einer Philosophie aufreißt, die von universalistischen Ansprüchen Abschied genommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2001
Der Rezensent Gustav Falke wittert eine Seminararbeit und will sie, da "bloßes Referat", keinesfalls mit "sehr gut benoten". Wenn sich auch der Autor ungerecht behandelt fühlen könnte, da er nach eigener Aussage nur Wittgensteins Denken nachzeichnen will ohne "eine neue Theorie von Bedeutung" daraus "zu destillieren", bleibt Falke hart und wirft dem Autor "kein Interesse an den Gegenständen" vor. Ums Nachsitzen wird der so Gemaßregelte bei "Professor" Falke wohl nicht herumkommen.
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