Die Geschichtswissenschaft hat keine eigene Sprache. Historiker nutzen daher die Sprache der Philosophie und anderer Wissenschaften, vor allem aber die normale Umgangssprache - "Gedächtnis", "Erzählen", "Wahrheit", Begriffe wie diese erhalten dabei einen ganz spezifischen Sinn. Dieses Lexikon bietet 100 präzise Definitionen, es erläutert die zentralen Kategorien historischen Arbeitens und Denkens und eine große Zahl von Einzel- und Unterdisziplinen. Die einlässlichen Artikel wurden von führenden Fachvertretern speziell für diesen Band verfasst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.02.2003
Stephan Schlack nutzt seine Kritik, um einmal mehr mit einer Geschichtswissenschaft zu hadern, die ihren Kampfesgeist zugunsten akademischer Askese aufgegeben hat. Denn ein Abflauen der Streitlust erkennt er auch in dem kleinen Lexikon zu den hundert wichtigsten Grundbegriffen, das selbst die einst verzankten Schulen - Alltagsgeschichte, Politische Geschichte und Sozialgeschichte - brav aneinander reiht und sogar die einst unter Verdacht gestellte "Biografie" als Stichwort wieder aufnimmt. Hinter soviel Egalität kann Schlak nur noch eine "neue Beliebigkeit" vermuten. Immerhin bescheinigt er dem Buch, das von Jan Assmann bis Hayden White eine illustre Schar von Autoren versammelt, durchgehend klar und verständlich geschrieben zu sein, seine "propädeutischen Pflichten" zu erfüllen und mithin ein "veritables methodisches Überlebenspaket" für Studenten darzustellen. "Wer aber Geschichtshunger hat, der wird von den 'hundert Grundbegriffen' nicht satt werden."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2003
Stefan Jordans "Lexikon Geschichtswissenschaft", in dem ausgewiesene Fachleute insgesamt hundert geschichtswissenschaftliche Grundbegriffe vorstellen, richtet sich nach Ansicht des tmn zeichnenden Rezensent insbesondere an Studienanfänger und Laien. Die Erläuterung der Grundbegriffe folgt laut Rezensent einem klaren Muster: Nach einer Kurzdefinition folgt eine begriffsgeschichtliche Problematisierung der Stichwörter und abschließend der aktuelle Diskussionsstand. Reinhart Koselleck veranschauliche den Begriff "Begriffsgeschichte" am Beispiel "Staat" und verweise den Leser unter anderem auf "Diskurs", zu Willibald Steinmetz. Daneben hebt der Rezensent die Beiträge von Friedrich Jäger, der kläre was "Erfahrung" sei, Jakob Tanner ("Erinnern/ Vergessen"), Jan Assmann ("Gedächtnis") und anderen vor. Gefallen hat dem Rezensent vor allem Paul Ricoeurs Erklärung von "Wahrheit, historische". Danach formulieren Historiker Wahrscheinlichkeitsvermutungen, denen auf den verschiedenen Ebenen des wissenschaftlichen Arbeitens unvermeidlich subjektive Interpretationen zugrunde liegen, die der gelehrten Kontroverse standhalten müssen.
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