Die Biographie von Fritz Heine ist ein Spiegel der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie von ihren Anfängen im Kaiserreich bis zur modernen Staatspartei. Heine verkörpert die Hoffnungen und Vergeblichkeiten einer ganzen Epoche deutscher Geschichte: Das Arbeiterkind aus der königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover; der junge Parteisekretär im Berliner "Vorwärtshaus"; der aus seiner Heimat verjagte Emigrant; der wagemutige Gegner des NS-Regimes; der Retter der Flüchtlinge von Marseille; der propagandistische Gegenspieler des CDU-Vorsitzenden Konrad Adenauer und schließlich der Herr der sozialdemokratischen Zeitungen. Um den Untergang dieser Zeitungen ranken sich bis zum heutigen Tag Legenden. Häufig ist von einem "Imperium" die Rede, das von "unfähigen Funktionären" zugrunde gerichtet worden sei. Doch gab es dieses "Imperium" überhaupt?
Mit einer kurzen Skizze, die das Lebens von Fritz Heine, wie Appelius es hier vorgelegt hat, nachvollzieht, stellt Willi Jasper die Biografie des "letzten noch lebenden Parteisoldaten der SPD" vor. Von den zwanziger Jahren in Berlin über Widerstand, Flüchtlingshilfe, Exil und Wiederaufbau der Partei im Nachkriegsdeutschland reicht der Lebensweg von Heine, der- für Wahlniederlagen in den 50er Jahren verantwortlich gemacht - sich "fast ohne zu murren" zurückzog. "Größe und Tragik" dieses Politikers hat Appelius, so der Rezensent in seiner Kurzbesprechung, gelungen dargestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2000
Fritz Heine, einst wichtiger Funktionär der Vorkriegs- wie der Nachkriegs-SPD, ist heute so gut wie unbekannt. Dabei ist sein Lebenslauf, wie Rezensent Daniel Kosthorst konstatiert, von mehr als nur privatem Interesse. Appelius` Buch stellt diesen vor: von einer ersten Berührung mit der SPD als Mitarbeiter der Werbeabteilung des "Vorwärts" über das Exil in London und die Rolle als Presse- und Propaganda-Beauftragter im Büro Schumacher bis zur vom Intimfeind Herbert Wehner betriebenen Abwahl aus den Führungsgremien. Über diesen Teil der Parteigeschichte, so der Rezensent, war bisher wenig bekannt, ebenso erfahre man Neues über die Exil-SPD. Die Mischung aus Biografie und Parteigeschichte lobt Kosthorst als "quellennah" und "mitunter spannend".
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