Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940-1945

Cover: Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940-1945
K. G. Saur Verlag, München 2000
ISBN 9783598240300
Gebunden, 552 Seiten, 101,24 EUR

Klappentext

Herausgegeben im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte von Norbert Frei, Thomas Grotum, Jan Pareer, Sybille Steinbacher und Bernd C. Wagner. Die Reihe behandelt den Massenmord im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz erstmals im Kontext der nationalsozialistischen Besatzungs-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik im eroberten Polen. Die Verbrechen werden dabei in Bezug gesetzt sowohl zur Alltagsrealität der Häftlinge als auch zum politischen Geschehen in der zivilen Umgebung des Lagers. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stehen Fragen nach dem ideologischen Zusammenhang zwischen "Germanisierung" und Vernichtung, nach der Verstrickung der deutschen Privatwirtschaft in den systematischen Massenmord und nicht zuletzt nach dem Verhalten der deutschen Bevölkerung angesichts von Terror und Mord.
Die Reihe umfasst vier Bände:
Band 1: Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940-1945.
Band 2: `Musterstadt` Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Oberschlesien.
Band 3: IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945.
Band 4: Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit. Neue Studien zur nationalsozialistischen Lagerpolitik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2000

Werner Renz bespricht die vier Bände der "Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz", zu denen der vorliegende Band gehört, im Zusammenhang, ohne im einzelnen zwischen den Bänden zu unterscheiden. Dabei begnügt er sich mit einer sachlichen und wohlwollenden Skizzierung des Inhalts dieser Bände, nicht ohne anzumerken, dass die deutsche Zeitgeschichtsforschung fünfzig Jahre brauchte, um solch ein ausführliches Werk zu Auschwitz vorzulegen. Die "sorgfältig edierte" Quellensammlung des ersten Bandes zeigt nach Renz zwar nichts über die Befehle zur Ermordung der Juden, wirft aber ein um so schlagenderes Licht auf den Alltag der in Auschwitz stationierten SS-Soldaten und ihrer Familien, die sie gerne an diesen Standort nachziehen ließen. Aus Band 2, der sich mit der "Musterstadt" Auschwitz befasst, lernt man nach Renz einiges über die Geschichte der Stadt selbst und besonders über die Deportationspolitik und die geplante Eindeutschung dieser Region, während sich in Band 3 ("IG Auschwitz - Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz") die aktive Beteiligung der deutschen Wirtschaft am Mordprogramm der Nazis zeigt. Über Band 4 mit "neuen Studien zur nationalsozialistischen Lagerpolitik" lässt sich Renz nicht im einzelnen aus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2000

Wolfgang Benz bespricht in einer eingehenden Mehrfachrezension Bücher über das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.
1) "Auschwitz 1940-1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. 5 Bände"
Zunächst geht der Rezensent kurz auf diese fünfbändige Studie ein, von der er sich wünscht, ihr würde in Deutschland mehr Interesse entgegengebracht. Hier sind alle "wichtigen Aspekte" behandelt, lobt Benz, und es werde ein "solider Überblick", der sich auf gesicherte Quellen stützt, geboten.
Eingehender bespricht der Rezensent dann die vierbändige Untersuchung "Darstellung und Quellen zur Geschichte von Auschwitz", die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegeben wurde.
2) "Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940 bis 1945. Band 1"
Der erste Band sei ein "gewichtiger Quellenband", der zwar keine spektakulären neuen Quellen enthalte, doch dessen Verdienst es sei, dass er das "Monströse des Dienstbetriebs" in Auschwitz vor Augen führe. Mit seinen gesammelten Befehlen und Verordnungen werde die "Trivialität" des Alltags der Täter in Auschwitz deutlich.
3) "Musterstadt" Auschwitz. Band 2"
Die Autorin beschreibe auf reicher Quellengrundlage und gründlich ins Detail gehend die Beziehungen der kleinen Stadt Auschwitz mit dem Lager. Es werde deutlich, dass sich Stadt und Lager in keiner Weise behinderten, sondern vielmehr ergänzten. Es war ein `Nebeneinander von Normalität und Verbrechen`, zitiert der Rezensent die Autorin, deren Studie ihn sehr überzeugt.
4) "IG Auschwitz. Band 3"
Diesen Band preist der Rezensent besonders nachdrücklich, er sei eine "hervorragend belegte" Untersuchung zur Zwangsarbeit in Auschwitz, die überzeugend die These belege, dass der Standort der Bunawerke des IG-Farben-Konzerns vor allem wegen seiner "Arbeitskraftressourcen" gewählt wurde. Das Buch sei ein "äußerst schätzenswerter Beitrag" besonders zum Thema "Vernichtung durch Arbeit", so der Rezensent beeindruckt.
5) "Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit. Band 4"
Den vierten Band lobt Benz als "exemplarisch" und geht kurz auf die einzelnen Beiträge ein. Hier habe man es quasi mit einer "Leistungsschau der jüngeren deutschen Forschung" zu tun, die sich auf der Höhe der wissenschaftlichen Auseinandersetzung befindet, so der Rezensent lobend.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2000

Arno Orzessek liefert weniger eine Kritik als zunächst einmal einen Hinweis auf die vier Bände dieses monumentalen neuen Geschichtswerks zu Auschwitz. Der Name dieses Lagers sei zur Metapher des Nazi-Grauens schlechthin geworden, bemerkt Orzessek, aber erst in den letzten Jahren zeige sich wieder eine konkrete Hinwendung der Historiker auf das Lagerleben selbst. Besonderer Trumpf der bisher vier vorliegenden Bände, die Orzessek in seinem Artikel nicht näher differenziert, sei dabei eine Auswertung von osteuropäischen Quellen, die der bisherigen Forschung nicht zugänglich gewesen seien und die die künftige Forschung nach Orzessek wesentlich beeinflussen werden. Auch einen Generationsbruch stellt Orzessek angesichts dieser vier Bände fest. Die meisten der Autoren seien unter 40 und wendeten sich wieder verstärkt den Quellen zu als dies ihre Mentoren getan hätten.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Stichwörter