Klappentext
Die Funktion einer Maschine ist, was sie tut. Die digitale Maschine spuckt seit über 20 Jahren regelmäßig und formelhaft Faschismen und Radikalisierung aus. Trumpisierung und Extremismus gewinnen, begegnen möchte man ihnen mit Faktenchecks und Medienkompetenz. Naives Denken, sagt Simon Strick, denn Faschisierung ist eine Grundtendenz digitaler Medien. Rechtspopulismus und Internet entstanden nicht nur zeitgleich, sie arbeiten mit verwandten Formeln und haben die Öffentlichkeit zum Reaktionären hin transformiert. In seiner Analyse kommt der Medienwissenschaftler mit Leo Löwenthal zu dem Fazit: Der demokratische Diskurs befindet sich unvorbereitet und hilflos auf der Fluchtlinie der Faschisierung. Ein Umdenken ist nötig.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.10.2026
Rezensent Jens Balzer liest Simon Stricks Buch über faschistische Tendenzen mit Gewinn, hat jedoch auch ein paar Anmerkungen. Strick argumentiert, dass westliche Gesellschaften schon seit längerem, nämlich seit drei Jahrzehnten, in Richtung eines faschistischen Denkens driften, dessen Eigenschaften zunehmende Empathielosigkeit und ein gnadenloses Freund-Feind-Denken sind, das in der Konsequenz das Leben der Feinde entwertet. Wie konnte das passieren? Strick sieht die Verantwortung vor allem bei den neuen Medien, im Internet entdeckten Libertäre eine Geschäftsform, die sich keinen staatlichen Beschränkungen unterwerfen musste, außerdem reüssierten im Netz schon seit den frühen 1990ern rechte Hetzer. Das alles führt schnurstracks in die Gegenwart, so Strick, hin zu Trump, der Menschenhass mit lustigen Memes verbindet. Soweit leuchtet Balzer das alles ein. Allerdings, kritisiert er, ist das Argument hier und da "mit allzu grobem Pinsel" gemalt, Strick übersieht, dass das Internet auch für Progressive einst ein wichtiges Medium war, außerdem lässt er außer Acht, dass die gegenwärtige Verrohung nicht nur bei Rechten zu beobachten ist, sondern auch bei Linken, die mit Islamisten gemeinsame Sache machen oder Sympathien für den Putinismus bekunden. Mit dem düsteren Fazit, das Stricks Buch zieht, ist Balzer freilich durchaus einverstanden.
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