Simon Raven

Wo man singt

Almosen fürs Vergessen, Band 7. Roman
Cover: Wo man singt
Elfenbein Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783961600151
Gebunden, 264 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Franke. Man schreibt das Jahr 1967 am altehrwürdigen Lancaster College der Universität Cambridge, und die Zeichen stehen auf Sturm. Zu den üblichen Grabenkämpfen zwischen den Professoren kommen die Forderungen einer politisierten Studentenschaft. Angeführt wird die Rebellion von Hugh Balliston, einem begabten jungen Intellektuellen, der auch die attraktive Hetta für seine Sache eingespannt hat. Doch Hugh gerät zunehmend unter den Einfluss eines externen Agitators, der ihn zu immer drastischeren Aktionen treibt. Als anlässlich eines Madrigalkonzertes der Kapelle des Colleges, einem der bedeutendsten Sakralbauten des Landes, eine rabiate Entweihung und ein moderner Bildersturm droht, geht es mit einem Mal nicht mehr nur um die Überwindung oder Bewahrung alter Traditionen und Glaubenssätze, sondern um Leben und Tod. Im siebten Band seiner Romanreihe "Almosen fürs Vergessen" widmet sich Simon Raven mit unverkennbarer Verehrung für den historischen Schauplatz einem weiteren Meilenstein der britischen Nachkriegsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2023

Rezensent Andreas Platthaus fühlt sich vom Sarkasmus im siebten Band des Romanzyklus "Almosen fürs Vergessen" des britischen Autors Simon Raven gut unterhalten. Der Autor siedelt seine Handlung in einem "fiktiven College" an, das der Kritiker aber sofort als das berühmte King's College, an dem der Autor selbst studierte, identifizieren kann. Ravens Zynismus gilt diesmal den Anfängen der 68er-Proteste an den Universitäten und der beginnenden Hippie-Bewegung, lesen wir. Den Höhepunkt der Handlung stellt die geplante Sabotage eines Madrigalkonzerts des College-Knabenchors durch die revolutionierenden Studenten dar, verrät Platthaus, bei dem, unterstützt durch einen kommunistischen Agitator, die "institutionelle Ordnung" zum Einsturz gebracht werden soll. Das Buch überzeugt den Kritiker nicht nur durch seinen spöttischen Blick auf das eigenen Figurenpersonal, sondern auch durch seine - das Buch erschien im Original 1972 - verblüffende Aktualität: Viele Dialoge könnten heute noch so geführt werden, meint Platthaus, Themen wie politischer Idealismus, aber auch sexueller Missbrauch in der Kirche werden hier verhandelt.

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