Silviana Galassi

Kriminologie im Deutschen Kaiserreich

Geschichte einer gebrochenen Verwissenschaftlichung
Cover: Kriminologie im Deutschen Kaiserreich
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783515083522
Gebunden, 452 Seiten, 80,00 EUR

Klappentext

Warum werden Verbrechen begangen? Steckt das Böse in den biologischen Anlagen oder ist das soziale Umfeld für die Kriminalität verantwortlich? Gibt es geborene Verbrecher? Ende des 19. Jahrhunderts werden diese Fragen zum Ausgangspunkt einer neuen Wissenschaft, der Kriminologie. Warum beginnen Mediziner und Soziologen gerade zu dieser Zeit, Kriminalität wissenschaftlich zu erforschen? Welche Theorien werden entwickelt und diskutiert? Und welche Rolle spielt die Kriminalpolitik bei der Entwicklung der neuen Wissenschaft? Ist die Kriminologie an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert überhaupt eine Wissenschaft? Diese Fragen werden hier für das Deutsche Kaiserreich erstmals eingehend untersucht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2005

Zufrieden zeigt sich Rezensent Gerd Roellecke mit Silviana Galassis Arbeit über die "Kriminologie im Deutschen Kaiserreich", auch wenn er nicht immer mit ihren Thesen einverstanden ist. Ihre Darstellung der kriminalpolitischen Diskussion zwischen 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs lobt er als "durchweg überzeugend" und "streckenweise sogar spannend". Dass die Autorin als Grund für die Kriminalität um 1900 "das System der sozialen Ungleichheit im Kaiserreich" (Galassi) angibt, ohne eine empirisch-wissenschaftliche Begründung dafür zu liefern, findet er allerdings schwach. Galassis Kritik, den kriminologischen Theorien des Kaiserreiches hätten bürgerliche Sittlichkeits- und Wertvorstellungen zugrunde gelegen, setzt Roellecke entgegen: "Welche sonst? Sozialistische? Und natürlich beanspruchten die bürgerlichen Werte, universal zu gelten, obwohl offensichtlich war, dass sich die Unterschichten nicht immer daran hielten." Nichtsdestoweniger hält Roellecke abschließend fest: "dieses Buch lohnt die Diskussion".