Politische Entscheidungsverfahren sind heute eng mit Prozessen naturwissenschaftlicher Wissensgenerierung verflochten. Die Naturwissenschaften spielen in der Politik eine zentrale Rolle. Besonders deutlich wurde dies etwa in der Corona-Pandemie und den regelmäßigen Pressekonferenzen von Gesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut, in denen die Politik ihre Weichenstellungen weitestgehend auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse verengte. Die Folge dieser Handlungsmaxime: mit der Rationalisierung der Politik geht auch eine Politisierung der Wissenschaft einher. Wissenschaft wird instrumentalisiert und lässt sich bisweilen auch instrumentalisieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2023
Dieses Buch bot dem Rezensenten Gerald Wagner eine eher zwiespältige Lektüre. Zunächst einmal muss er sich von der seiner Ansicht nach reißerischen Aufmachung des Buchs freimachen und verbraucht dafür einen großen Teil des ihm zugestandenen Raums: Gärditz polemisiere zunächst gegen Wissenschaft als "Hoflieferant" der Regierung. Aber das seien eigentlich nur zehn nicht besonders gute Seiten in dem Buch. In seinen wichtigsten Kapiteln gelingt es Gärditz laut Wagner dann aber doch, durchaus instruktiv über das komplexe Verhältnis von Wissenschaft und Politik zu berichten. Eine gewisse Begriffsverwirrung bleibt, denn auch hier hält Gärditz weiter am Begriff des "Hoflieferanten" fest, nur diesmal im guten Sinne, als Diener des Souveräns. Wagner kritisiert dann noch, dass Gärditz die "Ressortfoschung", also forschende Bundesbehörden wie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, zu wenig in den Blick nehme. Alles in allem findet er viel Lesenswertes über politische Einflussnahme durch Wissenschaft und mehr noch über politische Instrumentalisierung von Wissenschaft, aber er hätte es gern etwas konziser dargeboten.
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