Jörg Bong (Hg.), Silvia Bovenschen

Rituale des Alltags

Cover: Rituale des Alltags
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783100035110
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Es fällt nicht immer leicht: Irgendwie muss der Mensch über den Tag kommen. Dort, wo die großen Lebensentwürfe scheitern, die großen Gebote ihre Verbindlichkeit einbüßen, die Berufswege sich verzweigen und verlieren, dort haben die alltäglichen Rituale und die Ritualisierungen des Alltäglichen ihren Ort. Sie geben Rhythmus, Kontur und Halt, aber auch zusätzliche Enge und Zwang. Sie können als Signale der neurotischen Überanpassung gelten, aber auch als (zuweilen blinde) Akte einer Unterhöhlung privater und öffentlicher Betriebe. Aus den unterschiedlichen Erzählungen oder Essays - von u.a. Judith Hermann, Michael Lentz, Monika Maron, Thomas Meinecke, Christoph Peters, Kathrin Röggla, Sarah Schumann, Ingo Schulze, Wolf Singer, Marlene Streeruwitz und Birgit Vanderbeke - ergibt sich ein Panorama unseres Alltags, ein Blick auf die alltägliche Komödie unserer Gegenwartsbewältigung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2003

Zunächst macht Karl-Markus Gauss seiner Skepsis gegenüber Anthologien Luft, bei denen die Vorworte der Herausgeber, wie er meint, gewöhnlich noch zu dem Besten solcher Textsammlungen zählen. Dies sei auch bei dieser Textsammlung über Rituale im Alltag der Fall, deren Vorwort er als einen der "anregendsten" Beiträge beurteilt. Dagegen hat er "erschreckend schwache" Texte wie den von Wolfgang Hilbig über eine seltsame Gewohnheit beim Briefeschreiben und "bemüht originelle" wie Wolf Singers Beitrag über die Improvisation als Ritual gefunden. Gerechter Weise nennt der Rezensent dann aber auch noch Texte, die ihm durchaus gefallen haben, wie die "aparte Erzählung" von Rainer Merkel. Auch die poetischen Texte von David Wagner, Stephan Wackwitz und Ingo Schulze werden von ihm gelobt, aber insgesamt reicht dies nicht aus, um seine Liebe zu Anthologien zu entzünden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.12.2002

Ein Professor wäscht sich grundlos die Hände. Ein Mann hält täglich einen Monolog am Kiosk um die Ecke. Und Überraschungseier werden tonnenweise gekauft. In diesem Buch, so lässt uns der Rezensent Detlef Kuhlbrodt wissen, versammeln sich skurrile Geschichten zu einer "neuen Anthologie" loser Gedanken über beliebte Rituale des Alltags. 31 Schriftsteller, Juristen, Theater- und Literaturwissenschaftler schreiben teils lustige, teils groteske Spleens auf. Natürlich gehe es dabei, resümiert der Rezensent, um "Angstabwehr" und die Suche nach "Halt und Struktur im Alltag". Weil die Geschichten ziemlich beliebig seien, sagt Kuhlbrodt, werden Leser, die "auf präzise Analysen von Alltagsritualen gehofft" haben, ein bisschen enttäuscht.

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