Aus dem Italienischen von Bettina Dürr. Die Metamorphose ihrer spleenigen Großmutter Eia in eine Riesenschildkröte macht Elisa Angst. Früher liebte es Eia, mit ihrer Enkelin Shakespeare zu deklamieren und sich in jede nur denkbare Figur zu verwandeln. Mit viel Vorstellungskraft und Willen, dem Tod von der Schippe zu springen, gelingt ihr auch diese letzte Verwandlung. Doch Elisa hat nun enorme Probleme. Niemandem kann sie sich anvertrauen, denn wer würde einem zehnjährigen Mädchen glauben, die "Geochelone gigantea" sei ihre Großmutter? Zumal das Urtier riesige Gemälde in Öl schafft, weiterhin Hamlet zitiert und von ihrer Heimat Aldabra träumt. Die Lage wird brenzlig, als es in tiefen Winterschlaf fällt, während vor der Haustüre das Hochwasser steigt!
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2003
Die Väter, schreibt Gerda Wurzenberger, sind längst tot und die Bühne somit frei für die "kraftvolle Symbolik weiblicher Generationenkonflikte": Wenn die zehnjährige Venezianerin Elisa ihre Großmutter Eia "in einer verwunschenen Ecke" der Stadt besucht, fragt sie sich, warum ihre Mutter eigentlich nie mitkommt. Sie haben sich nichts zu sagen, erfährt sie dann, denn die Ältere glaubt an die Macht der Vorstellungskraft, die Jüngere dagegen steht ganz auf dem Boden der langweiligen Tatsachen. Doch wie sagt die Großmutter: "Der Trick, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, ist, sich zu verwandeln." Und genau das macht sie auch, mit Hilfe der Enkelin, die dazu durch eine spannungsreiche Handlung fegen muss, die der Rezensentin manchmal zu viele "Krimi-Elemente" enthielt, mit der sie aber im Großen und Ganzen sehr zufrieden ist. Zumal sich die Großmutter sagt: Wenn schon Schildkröte, dann bitteschön ein Männchen!
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