Sigrid Weigel (Hg.)

Genealogie und Genetik

Schnittstellen zwischen Biologie und Kulturgeschichte
Cover: Genealogie und Genetik
Akademie Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783050035727
Paperback, 308 Seiten, 27,80 EUR

Klappentext

Die Beiträge des vorliegenden Bandes eröffnen den kulturhistorischen Rahmen für eine Diskussion der biowissenschaftlichen Entwicklungen, die der Frage nach einem möglichen Umgang mit ihren Techniken vorausgehen muß. Sie reichen von einer Rekonstruktion vormoderner genealogischer Konzepte wie Stammbaum und Ahnentafel über Studien zu verschiedenen Erbschafts- und Vererbungsbegriffen in der Moderne bis zur Untersuchung des imaginären und symbolischen Subtextes einiger jüngerer biowissenschaftlicher Paradigmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel hat einen "breit gefächerten" Sammelband über Entstehungsgeschichte und Erbgutforschung herausgegeben, der sich für Thomas Fechner-Smarsly wie eine Fortsetzung von Lily E. Kays Studie "Das Buch des Lebens - Wer schrieb den genetischen Code?" liest. Denn wie Kay setzt sich Weigels Sammelband mit der Metaphorik des "Textes" und des "Programms" in der Geschichte der Genetik auseinander. So lobt Fechner-Smarsly, dass Weigel für diesen Band Beiträge zu unterschiedlichen Themen wie zur Metaphorik, zur Modellbildung, zur biologischen und politischen Bedeutung von Stammbäumen, zum Klonen oder zu den "Schnittstellen" zwischen Bio- und Kulturwissenschaften zusammengetragen hat. Besonders "aufschlussreich" erscheint ihm dabei ein Aufsatz eines der "großen alten Männer der Gen-Forschung", Henri Atlan, über die "gefährliche Annahme", der DNA-Code sei ein "genetisches Programm". Gerade im Kontext der Ausführungen von Atlan empfiehlt Fechner-Smarsly, auch das von ihm hochgelobte Buch "Das Buch des Lebens" von Kay zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2002

Das Potsdamer Einsteinforum, schreibt Caroline Pross, hat in diesem Band Biologen und Kulturwissenschaftler miteinander in einen Dialog gebracht. Und das Gespräch dreht sich um Genealogie, weil man sich über die Symbolisierungen, Metaphern und Bilder der öffentlichen Diskussion verständigen wollte, wozu der "Stammbaum", also die Repräsentation der (auch genetischen) Generationenfolge, sich besonders eignet. Dies wird, so die Rezensentin, auf kluge Weise von mehreren der Gesprächsteilnehmer wie Thomas Macho, Kilian Heck und Claudia Castaneda verdeutlicht. Interessant findet Pross, dass sich besonders die Biologen, darunter Henri Altan, als "konsequente Kulturalisten" entpuppen. Ihre Beiträge zeigen, dass es nicht unbedingt einen "Krieg zwischen den zwei Kulturen" geben muss. Diese Einsicht ist nicht nur der Gesprächsbereitschaft derer geschuldet, die hier zu Worte kommen, sondern auch der "beruhigenden" Feststellung der Naturwissenschaftler, das Entscheidende für die Identität eines Individuums sei allemal noch seine "Einschreibung in symbolische Genealogien". Klärend und lesenswert, urteilt die Rezensentin.
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