Siegfried Lenz

Schweigeminute

Novelle
Cover: Schweigeminute
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783455042849
Gebunden, 128 Seiten, 15,95 EUR

Klappentext

Stella Petersen war zweifellos eine der beliebtesten Lehrerinnen am Lessing-Gymnasium. Ihre Lebensfreude, ihre Intelligenz und Belesenheit verschafften ihr die Anerkennung und den natürlichen Respekt des Kollegiums wie den ihrer Schüler. Und gewiss führte die Liebe zu ihrem Schüler Christian, die über das ungleiche Paar am Ende der Sommerferien hereinbrach, zu jener Verwirrung der Gefühle, deren Intensität und Kraft beide überwältigt. Siegfried Lenz hat eine Novelle geschrieben über die Liebe eines Gymnasiasten zu seiner Englischlehrerin, eine Geschichte über das Erwachsenwerden und das Erwachsensein, eine Geschichte, in der unbeschreibliches Glück neben tief empfundener Trauer steht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2008

Die Gründe, aus denen der weit ausholende und in Sprache und Form nicht eben radikale Romanautor Siegfried Lenz oft mehr geachtet denn bewundert wird, diese Gründe gelten, versichert Heinrich Detering, für diese Erzählung nicht. Hier nämlich geht es konzis zu, novellenhaft und die Bedeutung, die sich einstellt, tut dies sanft und ohne jedwede Aufdringlichkeit. Erzählt wird von einem Schüler, der sich in seine junge Lehrerin verliebt und die Lehrerin dann durch Unfall an die Ostsee verliert. Unangestrengt zeichne Lenz die Landschaften des Inneren und Äußeren realistisch und macht das einzelne Ding immer doch auch auf einen größeren Sinn hin lesbar. Auf die Namen, rät Detering, muss man achten - den der Heldin Stella besonders, auf die Sätze, die manchmal geradezu hemingwayisch sind, aber auch: "We are only fishing for stones", heißt es, den Rezensenten hinreißend, einmal. Kein falsches Pathos gebe es, kein falsches Sentiment, dafür die reine "Magie des Geschichtenerzählens". Es müsste, findet Detering, die "Schweigeminute" darum auch den Lenz-Verächtern gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2008

Berührt zeigt sich Beatrix Langner von Siegfried Lenz' Novelle "Schweigeminute", der Liebesgeschichte zwischen dem schwärmerischen Gymnasiasten Christian, einem talentierten Steintaucher, und seiner Englischlehrerin Stella, die bei einem Bootsunfall ums Leben kommt. Die Schilderung der Szenerie, in die Lenz die Geschichte einbettet, - Küstenstädtchen mit Hotel, Fischereihafen, Vogelinsel und Krankenhaus -, findet sie rundum stimmig. Die Erzählung wirkt auf Langer "zeitlos", "verhalten", aber von einer "starken Kraft". Besonders hebt sie das Motiv der Seelenrettung hervor, das im Bild der Steintaucher seinen Ausdruck findet. "Schweigeminute" ist für sie alles in allem ein "bezaubernd leichter Text über die Trauer" und zugleich ein "Versuch über die Sprache des Trauerns".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.06.2008

Ganz beglückt zeigt sich Rezensent Dirk Knipphals über diese schmale Novelle von Siegfried Lenz, die ihn gar nicht so sehr wegen der darin erzählten Liebesgeschichte berührte, sondern als "sentimental journey" in die Literatur der alten Bundesrepublik. Denn die Geschichte einer Liebe zwischen einer Lehrerin und ihrem Schüler wirkt im Grunde ein wenig "geschreinert" auf ihn und so ganz glaubhaft scheint sie ihm auch nicht. Trotzdem findet er den Stil der Dialoge und Lenz? Einfühlung in seine Figuren so formvollendet gelungen, dass er angesichts des hier scheinbar so geballt auftretenden "Retrocharmes" fast ein paar Tränen der Rezensentenrührung vergießt. Denn er muss plötzlich an seinen eigenen Deutschunterricht denken, unser eitler Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2008

"Selten las man etwas so Keusches, etwas so Erotisches!" schreibt Rezensent Ulrich Greiner, und zwar ebenso ergriffen wie begeistert von Siegfried Lenz? erzählerischer Meisterschaft, die Greiner auch in der neuen Erzählung ( eine "Kostbarkeit") auf geradezu überzeitliche und klassische Weise triumphieren sieht. Darin geht es seiner Inhaltsskizze zufolge um eine junge Lehrerin, die ums Leben gekommen ist, und einen ihrer Schüler, der sie liebte. Besonders bewegt den Rezensenten der "lakonische Trauerton", der die Erzählung für ihn grundiert, die er nichts desto trotz an der mit "realitätsfroher Genauigkeit" beschriebenen Oberfläche "leicht und frei" dahinfließen sieht. Auch den kunstvollen Wechsel der Erzählperspektive findet Greiner schlicht zum Niederknien.
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