Siddarth Kara

Blutrotes Kobalt

Der Kongo und die brutale Realität hinter unserem Konsum
Cover: Blutrotes Kobalt
Harper Collins, Hamburg 2024
ISBN 9783365006191
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

 Aus dem Englischen von Hans Freundl. Wie sauber ist unsere Mobilitätswende wirklich? Es ist ein Rohstoff, der unseren batteriebetriebenen Alltag am Laufen hält: Kobalt. Abgebaut wird es überwiegend in der Demokratischen Volksrepublik Kongo - unter dramatischen Menschenrechtsverletzungen. Welche Industrie steckt hinter unseren sauberen E-Autos, Smartphones und Laptops? Der Wirtschaftswissenschaftler und Aktivist Siddharth Kara ist auf seinen Reisen in die von Milizen kontrollierten Bergbauregionen bis tief in das finstere Herz unseres fossilen Kapitalismus vorgedrungen. In seinem Buch legt er erstmals die Lieferketten und Geschäftsmodelle der Tech- und Automobil-Konzerne offen, deren Nachhaltigkeitsversprechen sich selbst auf Vorzeigeminen als Fiktion erweisen. Er erkundet koloniale Hintergründe, die zu den heutigen Zuständen geführt haben, vor allem aber lässt er die Menschen zu Wort kommen, die für den Kobaltabbau ihr Leben riskieren. Eindrücklich und fundiert berichtet Kara aus den Untiefen unserer postimperialen Welt und erweitert unser Verständnis für die moralischen Effekte unserer globalen Wirtschaft, die uns alle betreffen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.07.2024

Siddharth Kara hat ein Buch geschrieben, das einem die Augen öffnet über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen im Kongo Kobalt abgebaut wird, so Rezensent Michael Wolf. Der Kongo ist, so Wolf mit Kara, ein an Rohstoffen reiches Land, aber der Reichtum kommt nicht der Bevölkerung zugute, sondern wird von Konzernen ausgebeutet, die außerdem die Umwelt zerstören. Besonders beschäftigt sich Kara Wolf zufolge mit dem handwerklichen Abbau von Kobalt mithilfe einfacher Werkzeuge oder gar von Hand und obwohl die Konzerne offiziell nichts davon wissen wollen, betrifft das circa 30% der Ausfuhr. Kara, so Wolf, möchte die Leser auf das fürchterliche Schicksal der Menschen, darunter vieler Kinder, aufmerksam machen, die für Smartphones und Elektroautos - beides ohne Kobalt undenkbar - leiden und weist unter anderem auf ein Zwischenhändlersystem hin, das katastrophale Arbeitsbedingungen ermöglicht. Genau vor Ort recherchiert hat Kara für dieses Buch, weiß der Rezensent, der abschließend meint: Ab sofort kann niemand mehr sagen, er wisse nicht, wie viel Blut am Smartphone klebt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2024

Einen wichtigen Weckruf hat Siddharth Kara hier verfasst, meint Rezensentin Judith Raupp, für die das Buch aber nicht immer weit genug gedacht ist. Der Soziologe Kara beschäftigt sich mit dem Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo, einem Land, das, führt Raupp aus, fast drei Viertel der Weltproduktion dieses unter anderem für die Elektromobilität wichtigen Rohstoffs übernimmt. Die internationalen - vor allem chinesischen, aber auch Schweizer  Firmen, die an Kobalt interessiert sind, kooperieren mit der kongolesischen Regierung und behaupten, lesen wir, dass sie sich beim Abbau an Menschenrechte hielten. Tatsächlich aber, so Raupp, wird mehr als ein Drittel der kongolesischen Kobalt-Ausfuhr handwerklich abgebaut, was de facto auf Kinderarbeit unter katastrophalen Umständen hinaus läuft. Kara klagt laut Raupp im aktivistischen Tonfall die internationalen Firmen und die lokalen Mächtigen im Kongo an. Die Kritikerin ist der Meinung, dass dabei der Widerstand der kongolesischen Bevölkerung unter den Tisch fällt, außerdem hätte sie gerne mehr über die Verantwortung der Konsumenten in Industrieländern gelesen. Denn die können, glaubt die Rezensentin, durchaus etwas dafür tun, dass die Kinder im Kongo weniger leiden müssen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.06.2024

Mit großem Interesse liest Rezensent Dominic Johnson Siddharth Karas "Dokument des Grauens", in dem der Autor dem in E-Autos verbauten Kobalt bis in die Kobalt-Minen in der Demokratischen Republik Kongo nachsteigt. Kara schafft es hierbei mehrere Stimmen von Berarbeitern, Geschäftsleuten und Politikern zu sammeln und biete so einen authenthischen Überblick über die Situation vor Ort, lobt Johnson. Leider fehlen dem Band Bildmaterial, um Schilderungen im Buch besser zu verstehen, manche Exkurse in die Geschichte geraten oberflächlich, und Karas amerikanisches Pathos liest sich nicht gut in deutscher Übersetzung, moniert Johnson. Trotzdem überzeugt ihn das Buch mit seinen "einfühlsamen und bildreichen" Schilderungen. Zudem stellt es den Gutmenschen-Status von E-Auto-Besitzern deutlich infrage, schließt Johnson.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.06.2024

Die Rezensentin Susanne Billig empfindet das Buch von Siddharth Karas als "helles Licht" in den dunklen Korridoren des modernen Lebens. Kara schildert zahlreiche Schicksale kongolesischer Minenarbeiter, die für sehr geringe Löhne schuften, um Rohstoffe für westliche und nordamerikanische Fertigprodukte abzubauen. Die Einzelschicksale konnte Kara durch direkte Gespräche mit den Arbeitern rekonstruieren. Natürlich standen er und seine Gesprächspartner unter großem Druck, denn wer es wagt, über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu berichten, dem droht der Tod, so Billig. Sie lobt Kara deshalb für seine "Unnachgiebigkeit", mit die leidenden Kongolesen zum Wort ermutigt. Außerdem lobt Billig, dass Kara die Fäden seiner Argumentation immer wieder loslässt, um möglichst viele einzelne von Armut betroffene Menschen in die Darstellung aufzunehmen.

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