Bevor Sibylle Berg ihren ersten Roman schrieb, arbeitete sie als Kolumnistin und Reporterin für Allegra, das Zeit-Magazin oder den Stern. "Gold" trägt die Perlen dieser Tätigkeit zusammen: Reiseberichte aus Wien, Bangladesch, Weimar und Castrop-Rauxel, Porträts von Gerhard Schöder, Haruki Murakami und Phillip Boa, Sachbuchprosa zur Erfindung des Strumpfes und zur Talkshow-Kultur sowie Reportage-Klassiker wie den Besuch beim polnischen Massenmörder Leszek Pekalski. Dazu gesellen sich Prosastücke, die im Spiegel oder im Suhrkamp Verlag erscheinen sollten, jedoch nie erscheinen durften. Und Frau Berg erinnert an die geschliffensten Passsagen aus Verrissen, die berühmte Kritiker ihren Büchern angedeihen ließen. Zu guter Letzt bietet diese Sammlung die absurdesten Zuschriften an die Autorin und drei noch nie gedruckte Berg-Gedichte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2000
Der Rezensent Bruno Steiger nimmt die umstrittene Schriftstellerin und Journalistin Sybille Berg in Schutz. Ihre Kritiker (einige Leser- und Ablehnungsbriefe diverser Redaktionen hat die Autorin in "Gold" aufgenommen) haben zwar Recht: Sybille Berg schreibt "flapsig und humorlos, einseitig und ungerecht", aber, so Steiger, sie schreibt bewusst so. Bergs literarische Stärke solle man nicht im Sprachstil suchen, sondern in den Figuren, die sie dadurch abbilde. Und die sind stets subjektiv, desillusioniert und verletzlich, leben in einer "höllischen Welt" und sind voll des Selbstmitleids. Auch "Gold", die umstrittenste Textsammlung der Autorin, gebe darüber Aufschluss.
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