Aus dem Japanischen von Sabine Mangold. Mit schwimmenden Laternen wird in Hiroshima jedes Jahr der Opfer des Atombombenabwurfs vom 6. August 1945 gedacht. Auf den Papierlaternen schreiben die Angehörigen die Namen der Opfer und lassen die Lichter vom Fluss ins Meer treiben. Nozomi ist als Nachgeborenem dieses jährliche Ritual seit früher Kindheit vertraut. Sie ist zwölf Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal fragt, was damals eigentlich genau passiert ist - und weshalb ihre Mutter jedes Jahr eine weiße Laterne ohne Beschriftung auf den Weg schickt. Als der Kunstlehrer ihrer Schule kurze Zeit später den Schülerinnen und Schülern vorschlägt, die Erfahrungen von Überlebenden des Atombombenabwurfs zum Thema zu machen, kommt ein Gespräch zwischen den Generationen in Gang. Nozomi und ihre Freunde bitten Verwandte und Bekannte, von ihren Erinnerungen an den Tag zu erzählen, an dem das Undenkbare Wirklichkeit wurde. Was sie in diesen Gesprächen erfahren, erschüttert die Jugendlichen, gleichzeitig beginnen sie zu verstehen, wie weitreichend die Folgen des Bombenabwurfs sind, und wie stark auch ihr Leben davon geprägt ist. Nozomi und ihre Klassenkameraden vertiefen sich den Sommer über in das Projekt. Dabei erfährt Nozomi auch, was es mit der unbeschrifteten weißen Laterne ihrer Mutter auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2025
Die Katastrophe von Hiroshima, verarbeitet in einem Kinderbuch? Das geht, wenn man es so sensibel tut wie Shaw Kuzki, versichter Rezensent Steffen Gnam. Selbst in Hiroshima geboren, macht die Autorin eine Gruppe Mittelschüler zu Helden ihrer Geschichte. Die setzen sich im Rahmen eines Schulprojektes mit den unvorstellbaren Schrecken der Vergangenheit und deren bis heute spürbaren Folgen auseinander. Die "individuelle Überlebenserzählungen als Mikrogeschichte Hiroshimas" sind ein guter Weg, um sich dem Thema anzunähern, findet der Kritiker. Die Geschichte beginnt 25 Jahre später mit einem Gedenkritual, bei dem weiße Laternen mit den Namen von Vermissten und Opfern "dem offenen Meer zugetrieben werden". Protagonisten Nozomi, deren Name "Hoffnung" bedeutet, wie Gnam weiß, will herausfinden, warum ihre Mutter eine weiße Laterne ohne Namen ins Wasser setzt. Kuzki setzt sich laut Gnam auch kritisch mit Aspekten der japanischen Gesellschaft auseinander, zum Beispiel deren "fatalem Ultranationalismus". "Subversive Kreativität" gegen den menschlichen Zerstörungswahn, das macht dieses von Gnam empfohlene Buch aus.
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