In "Unser Haus dem Himmel so nah" führt Shahla Ujayli ihre Figuren durch ein Jahrhundert der Tragik ihres Landes, Syrien, und dringt bis in die gegenwärtige Katastrophe vor. Der Niedergang einer ganzen Familie ist so auch eine Auslöschung durch die Geschichte, der Ujayli, die 1976 in Raqqa geboren wurde und in Aleppo aufwuchs, das stützende Gerüst der Erinnerungen entgegenhält.So ist das Haus ein untergegangener Ort, aber keine verlorene Erinnerung. Im Mittelpunkt des Romans steht die promovierte Anthropologin Djumana Badran, die der Bürgerkrieg nach Jordanien vertrieb. Die Trennung von Eltern und Schwestern, die in Raqqa zurückbleiben, ist nicht ihre einzige Sorge, gegen die sie mit Erzählungen ihrer Familie ankämpft. Sie erkrankt,denn Krieg macht die Menschen krank. Aber schon auf den ersten Seiten des Romans begegnet sie Nasser.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2022
Rezensentin Lena Bopp bedauert die Längen in Shahla Ujaylis Roman über eine syrische Kulturanthropologin, die sich gegen den Krieg in ihrer Heimat und gegen den Krebs behauptet. Allzu oft erzählt die Autorin aus, was sich Bopp gern selber vorgestellt hätte. Oder umständliche Dialoge oder Sätze geraten unfreiwillig komisch. Wenn sich die Ich-Erzählerin an alte Zeiten erinnert, wird es für Bopp mitunter zu idyllisch. Interessant wird der Text für sie da, wo der verzweifelte Egoismus der Erzählerin sichtbar wird als das Ringen um ein sich selbst bewusstes, weibliches Ich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.03.2022
Rezensent Carsten Hueck lernt mit dem Roman von Shahla Ujayli ein Syrien jenseits von Krieg und Flüchtlingsdramen kennen, auch wenn das Thema Emigration und Verlust von Anbeginn präsent ist, wie er schreibt. Der Fokus des Erzählreigens im Buch, das laut Hueck aus unzähligen Binnenerzählungen besteht, Vergangenes und Gegenwart miteinander verknüpft und zahlreiche miteinander verwobene Orte und Figuren ins Spiel bringt, liegt auf "liebevoll" rekapitulierten persönlichen und historischen Ereignissen, erläutert der Rezensent. Das Ergebnis ist ein zu Herzen gehendes, intensives und stets empathisches "Erinnerungsbuch", meint Hueck.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…