Sergio Pitol

Die göttliche Schnepfe

Roman
Cover: Die göttliche Schnepfe
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783803132062
Gebunden, 204 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar. Der Roman Pitols spielt in Istanbul, wo ein eingebildeter Professor die göttliche Marietta Karapetiz gleichzeitig erziehen, verführen und zähmen will. Das kann nicht gutgehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.12.2006

Volker Breidecker empfiehlt sogar die passende Musik, die beim rasanten Tempo dieses Romans von Sergio Pitol mithalten könnte und rät zudem dringend, auf den Genuss von Alkohol während der Lektüre zu verzichten. Denn sonst könnte es passieren, dass der Leser entscheidende Wendungen dieser aberwitzigen Geschichte nicht mitbekommt, warnt der Rezensent, der absolut hingerissen von diesem Buch des mexikanischen Autors ist. Auf sehr verschlungenen Wegen wird dabei von einem Schriftsteller erzählt, der seinen Zuhörern von einer Reise von Rom nach Istanbul erzählt, auf der er die "göttliche Schnepfe" trifft, die ihm wiederum von einem absonderlichen Ritual berichtet, dem sie einst in Mexiko beiwohnte. Ein grandioser Spaß ist dieser Roman, der sich von Miguel de Cervantes über Laurence Stern und Gogol bis Michail Bachtin von seinen großen literarischen Vorgängern leiten lässt und seiner Geschichte bis in die entferntesten "Darmgewinde" folgt, meint Breidecker berückt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2006

Viel Spaß hatte Rezensentin Katharina Döbler bei der Lektüre von Sergio Pitols "herrlich boshaftem" Roman über das Scheitern eines alternden Schriftstellers. Und zwar nicht nur mit seinen "immer kleinkarierten, oft ungebildeten" und trotzdem mit Hang zum Höheren ausgestatteten Figuren, unter denen sie "keine einzige" sympathisch fand - sondern auch mit den "verblüffenen Perspektiven", die Pitol aus ihrem "neuotisch gekrümmmten" Blick zu gewinnen versteht. Was die Erzähltechnik betrifft, fühlt sich die Rezensentin an Lawrence Sterne oder Denis Diderot erinnert. Verschachtelte Komposition, respektloser Umgang mit literarischen Traditionen und ein ausgeprägter Hang zu deftigen Scherzen machen das Buch und seinen literarischen Klamauk für sie zu einem sinnlichen und dabei durchaus auch intellektuellen Vergnügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

Marius Meller hält es zunächst für nötig, den Leser vor diesem Roman zu warnen, denn dieser könne "religiöse Gefühle verletzen". Im Mittelpunkt steht nämlich ein skurriles Ritual in Mexiko, bei dem eine massenhafte Entleerung der Verdauungsorgane in Anbetung des "Jesuskindes von Agro" gefeiert wird, so der Rezensent. Dieser wohl als vollendete Gotteslästerung einzustufender Einfall ist ungemein komisch und vielleicht lässt sich die Blasphemie auch als Plädoyer für die Freiheit lesen, ja, möglicherweise scheint hinter dem "Zerrbild des Heiligen" gar das Heilige selbst auf, so Meller fasziniert. Wunderbar suggestiv und fesselnd, ist Pitols Roman auch 18 Jahre nach dem Erscheinen im Original kein bisschen angestaubt und hat nichts von seiner Überzeugungskraft eingebüßt, schwärmt der Rezensent. Auch auf die überaus gelungene Übersetzung von Angelica Ammar hinzuweisen, vergisst der begeisterte Meller nicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2006

In den Augen des Rezensenten Uwe Stolzmann ist dieses Buch zunächst ein "typischer Pitol" und zudem ein ausgesprochen geglückter Schelmenroman: Der Inhalt ist nicht leicht in Worte zu fassen, auch die Dramaturgie des Romans folgt ihren eigenen Gesetzen. Schließlich sei der Autor ein "verspielter Kosmopolit" und Meister darin, Genregrenzen zu vermischen, um aus den unterschiedlichsten Zutaten ein buntes "Geflecht aus Erzählfäden" zu weben. Es scheint also vor allem die ungewöhnliche und teils gewagte Konstruktion zu sein, die den Rezensenten besonders fasziniert. Der Verlag scheint mit der Originalität Pitols so seine Probleme zu haben. Der Klappentext wartet jedenfalls mit einer "komplett anderen Geschichte" auf als der Autor, wie Stolzmann amüsiert feststellt.