In englischer Sprache. Die Europäische Union (EU) stellt ein einzigartiges Experiment gemeinsamen Handelns dar. Diese Publikation befasst sich mit diesem Prozess aus dem Blickwinkel der Architektur, einer Disziplin, die im Laufe der Geschichte stets enge Verbindungen zur Macht hatte. Durch die Untersuchung einiger bedeutender, seit den 1950er-Jahren durch die EU entwickelter Architekturprojekte geht das Buch einer bislang unerforschten Frage nach: Weshalb fällt es der EU so schwer, sich mit Architektur auseinanderzusetzen? In dieser Publikation wird eine Theorie zu einer Form von Zurückhaltung gegenüber Architektur in der EU aufgestellt und die dafür maßgeblichen Gründe identifiziert, wobei die Spannungen zwischen national und supranational, die historische Verbindung zwischen Architektur und Staat, der Mangel an akzeptablen Vorstellungen von Europa, die funktionalistische Kultur der europäischen Institutionen, aber auch die rechtlichen Beschränkungen, die ihr Handeln in der bebauten Umwelt einschränken, thematisiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2025
Rezensent Michael Mönninger schätzt Sebastiano Fabbrinis posthum erschienene Studie ob dessen erhellenden Blicks auf die "widerwillige Bautätigkeit" der EU. Warum das Brüsseler Europaviertel so lange "grundhässlich" blieb, erklärt der Architekturhistoriker als bewusste Symbolvermeidung - eine "List der Vernunft", die leise Integration ermöglichte, erfahren wir. Fabbrini, so der Kritiker, erinnert an skurrile Hauptstadtpläne wie "Lake Europe" an der Mosel und zeigt, wie selbst Vorzeigebauten wie das Berlaymont oder das Parlamentsgebäude nur getarnt entstehen konnten. Erst mit dem EZB-Turm in Frankfurt erkennt er eine unverwechselbare Gebäudegestalt, die einen "politischen Materialismus" verkörpert. Für Mönninger liegt der Wert des Buchs darin, dass es die Sichtbarkeit supranationaler Institutionen als Grundlage für Respekt und künftige Verfassungskraft der EU begreift - ohne architektonischen Schönheitskult.
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