Angela Steidele

Ins Dunkel

Roman
Cover: Ins Dunkel
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432471
Gebunden, 357 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Wir sitzen im Dunkeln. Auf der Leinwand treffen sich Greta Garbo und Erika Mann 1969 in den Schweizer Bergen und erinnern sich. Wie war das noch mit Marlene Dietrich und der gemeinsamen Geliebten? Als der Film den Nerv der Zeit traf und die Deutschen Hollywood und ganz Amerika durcheinanderwirbelten. Mit Erika Manns antifaschistischem Kabarett Die Pfeffermühle, während die ganze Welt ins Dunkel glitt? Mit der Zensur nach 1933 auch in den USA? Ach - und wie gut kannten sich eigentlich Greta Garbo und Marlene Dietrich? Wer traute sich mehr auf der Leinwand? Und im Leben?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2025

Rezensent Claudius Seidl hat nicht allzu viel Freude mit diesem Roman, der so tut, als wäre er ein Film. Aber leider, meint Seidl, liefert Angela Steidele in ihrem Buch, das in einer Mischung aus Fiktion und Fakten eine Liebschaft zwischen Marlene Dietrich und Greta Garbo imaginiert, eine ziemlich verarmte Version von Cine-Literatur ab. Steidele beschreibt zwar Dialoge und Handlungen durchaus kinomäßig, so Seidl, aber die anderen, atmosphärischen, rhythmischen Aspekte filmischen Erzählens bekommt sie nicht zu fassen, die Zeit der Handlung umfasst zwar die 1920er bis 1960er, von den Umwälzungen des filmischen Erzählens in dieser Ära ist bei der Lektüre jedoch nichts zu spüren. Stattdessen erteilen die sehr vielen prominenten Figuren des Buchs, von Lubitsch bis Klaus Mann, einem andauernd Lektionen in Sachen Politik und Filmgeschichte. Kompetent belehrt fühlt Seidl sich von diesem Buch durchaus, Lesespaß allerdings sieht anders aus.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.08.2025

Angela Steideles neuer Roman spielt auf wunderbar literarische Weise mit den historischen Gegebenheiten, schwärmt Rezensentin Julia Schröder: Sie lässt in dem Schweizer Ort Klosters im Winter 1969 mehrere weltberühmte Frauen aufeinandertreffen; Erika Mann, Greta Garbo und Marlene Dietrich. Die "chorische Erzählinstanz" erzählt in Rückblenden, wie Garbo und Dietrich zu Filmstars geworden sind, imaginiert eine Romanze und schreibt die Autorin selbst in das Buch hinein, erfahren wir. Die Frauen werden in ihrem jeweiligen Eigensinn porträtiert und machen dabei für Schröder anschaulich klar, wie es war, zwischen Hollywood, Faschismus und Patriarchat. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2025

Rezensentin Katharina Teutsch fühlt sich gut unterhalten mit Angela Steideles mit viel Filmgeschichte garnierter Romandoppelbiografie über die Garbo und die Dietrich. Was Steidele nicht gut hinzuerfindet, ist gut dokumentiert und als solches ins Romangeschehen eingebaut, stellt Teutsch fest. Neu ist laut Teutsch, dass Steidele den queeren Blick der beiden Diven füreinander in den Fokus nimmt, der Rest ist Kinogeschichte. Auch wenn es mitunter etwas lehrstückhaft klingt im Text, Spaß macht er dennoch, versichert die Rezensentin. Das liegt laut Teutsch am Arrangement von Fakt und Fiktion und daran, dass Steidele gar nicht erst versucht, die Wahrheit und nur die Wahrheit zu erzählen. Die Montage aus Assoziationen, Recherche und Dokumenten findet Teutsch letztlich gelungen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.08.2025

Rezensent Martin Oehlen fühlt sich wie im Kino bei der Lektüre dieses Buches. Dessen Hauptfiguren sind, so Oehlen, der die Besprechung im Rahmen eines Gesprächs mit der Autorin verfasst, Greta Garbo und Marlene Dietrich, was das Buch historisch doppelt verortet: zwischen Stumm- und Tonfilm, sowie zwischen Demokratie und Nazi-Totalitarismus. Wobei auch die Parallelen zur Gegenwart erstaunlich sind, er verweist unter anderem auf Rassismus und die Abtreibungsthematik. In dem sehr filmisch und in verschiedenen Tonlagen erzählten Buch tauchen, heißt es weiter, noch jede Menge andere berühmte Persönlichkeiten auf, unter anderem auch Thomas Mann, der allerdings bei Steidele nicht die beste Figur macht. Aus allen möglichen Richtungen wird das Geschehen hier beleuchtet, freut sich Oehlen, dem vor allem gefällt, wie nahe die Autorin ihren Figuren kommt. Insgesamt scheint ihm das Lesen einige Freude bereitet zu haben.

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