Sarah Pines

Der Drahtzieher

Roman
Cover: Der Drahtzieher
Diogenes Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783257072785
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Theodor Hugo Hasselt hat Haltung, Wutanfälle und fluktuierende Finanzen. Der Fabrikant aus dem Sauerland soll das eingeschlafene deutsch-britische Eisenbahnprojekt "Vom Kap nach Kairo" wiederbeleben. In Südafrika verliebt er sich rettungslos in seine Cousine Alba und führt sie heim auf sein Landgut in Iserlohn. Doch dort angekommen, will Alba plötzlich Theodors besten Freund Albert, der wiederum mit Marthe verlobt ist, Theodors Jugendliebe und Langzeitgeliebter. Ein Hohelied und ein Abgesang auf die unvergleichlichen Zwanzigerjahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2025

Ein starkes Buch über das Patriarchat und über Eifersucht ist Sarah Pines' Romanerstling laut Rezensent Oliver Jungen. Die Handlung spielt zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, erfahren wir, und außerdem im Sauerland, wo Theodor als Industriellenerbe im Wohlstand lebt, ebenso wie sein Nachbar und Freund Albert. Außerdem sind zwei Frauen im Buch wichtig: Alba, die Theodor nach heftiger Verliebtheit aus Südafrika nach Deutschland geholt hat, und Marthe, die erst in Theodor verliebt war, sich später aber, wie auch Alba, zu Albert hingezogen fühlt. Eine verworrene Vierergeschichte also, rekapituliert Jungen, wobei stets klar ist, dass die Frauen, aufgrund ihrer ökonomischen Unterlegenheit, mehr zu leiden haben als die sich freilich oft in düsteren, selbstmörderischen Gedanken verlierenden Männer. Man könnte an die Buddenbrooks denken, meint Jungen, in der Art, wie Pines ihre Industriellensaga als Zeitbild anlegt, aber der Fokus auf intime Psychologie und körperliches Begehren, im Falle Theodors immer deutlicher sadistisch und frauenfeindlich gewendet, verleiht dem Buch Eigenständigkeit. Leicht zu lesen ist das nicht, wie diese Menschen sich gegenseitig emotional zerfleischen, gesteht der Rezensent ein, aber es lohnt sich, vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil man gelegentlich bei der Lektüre seine eigenen dunklen Gefühle wiedererkennt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2024

Rezensentin Anna Landefeld lobt Sarah Pines' Debütroman über eine ménage à quatre im Sauerland um 1926 erst ganz tüchtig, um am Ende ein bisschen ernüchtert festzustellen: Die Autorin schreibt den Leser mürbe mit all ihren Details aus der historischen Übergangszeit aus Sicht einer Fabrikantendynastie in Iserlohn. Ohne Verschnaufpause folgt Landefeld den Beschreibungen von Kleidern, Dekors, Menüs, dem Handwerkskosmos der Drahtzieherei und natürlich den mannigfachen Gefühlen der Figuren. All das erfasst Pines laut Rezensentin schnell, assoziativ, sprunghaft. Ein leider etwas unfokussiertes "Emotionskuddelmuddel" im Gewand eines historischen Romans, stellt sie fest.

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