Juliane Baldy

Frau Fünf

Roman
Cover: Frau Fünf
Verbrecher Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783957326263
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mirjam wird von Martin Mustermann nach fast zehn Jahren Beziehung verlassen. Völlig unerwartet steht sie allein in der ehemals gemeinsamen Wohnung und versteht die Welt nicht mehr. Eine Welt, die mit Martins Möbeln eingerichtet war. Nach Jahren der Anpassung an Martins Leben und Vorlieben, bricht es aus ihr heraus. Wütend versucht Mirjam, Martins Beweggründe für die Trennung herauszufinden. Hat er eine andere? Mit drastischen Mitteln spioniert sie ihm nach und fängt an, ihr eigenes Leben zu erkunden. Was bedeutet ihr die Freundschaft zu ihrer ehemaligen WG-Mitbewohnerin Lena? Welcher Sex macht ihr eigentlich Spaß? 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.12.2025

Originell und gewagt findet Rezensent Leander Berger diesen zweiten Roman der deutschen Autorin und Schauspielerin. Darin wurde Mirjam soeben von ihrem Freund Martin verlassen, woraufhin ihre beste Freundin und Kolumnenschreiberin Lena sich ihrer annimmt und sie tröstet (was Mirjam eigentlich gar nicht will). In der pointenreichen Sprache und der Figur der Lena sieht der Rezensent Parallelen zu den Erzählmitteln des Unterhaltungsfernsehens und denkt dabei besonders an "Sex and the City". Wo solche Witze im Fernsehen jedoch der oberflächlichen Belustigung dienen, ergeben sie sich hier aus der Figurenperspektive, analysiert der Kritiker. Sie seien Ausdruck von Mirjams Verlegenheit und eine Bewältigungsstrategie für ihre tiefere Unzufriedenheit. So transformiert Juliane Baldly ein aus Sitcoms bekanntes Erzählprinzip erzählerisch gekonnt in eine entlarvende Geschichte über die Scheinheiligkeit von Self-Care-Rhetorik, freut sich der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.12.2025

Keine im klassischen Sinne angenehme, aber eine fesselnde Lektüre: So urteilt Rezensentin Rosa Budde über Juliane Baldys zweiten Roman, der Mirjam ins Zentrum stellt, eine Frau, die gerade von ihrem Partner verlassen wurde. Der Ex heißt Martin Mustermann und Mirjam wollte ihm eine wahre Musterfrau sein, beziehungsweise will sie das immer noch und beginnt nun Pläne zu schmieden, um ihn wieder zurück zu gewinnen. Gleichzeitig allerdings gerät ihr Leben immer mehr außer Kontrolle, lesen wir weiter, sie trinkt Unmengen und verwandelt sich beim Versuch, die Fassade einer erfolgreichen, modernen Frau aufrecht zu erhalten, in ein veritables Scheusal. Baldy spielt laut Rezensentin mit überzeichneten, aber gar nicht mal so unrealistischen geschlechtsspezifischen Rollenbildern, wobei ganz klar die verlassene Frau im Zentrum steht, Männer hingegen spielen, inklusive dem "Arschloch" Martin Mustermann, nur Nebenrollen. Der Gedankenstrom inklusive Aufschreien in Großbuchstaben, als der sich der Roman entfaltet, stresst Budde ziemlich, auch weil Mirjam sehenden Auges in die Katastrophe eilt. All das fügt sich zu einem fordernden, aber außergewöhnlichen Roman, der Budde ziemlich beeindruckt.

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