Berlin 1947: Wenn Paul nicht gerade mit seinen Freunden in den Trümmern Abenteuer erlebt, versucht er, auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel zu organisieren. Sein Vater ist im Krieg verschollen, also fühlt Paul sich für seine Mutter verantwortlich. Doch dann erfährt er, dass sie den afroamerikanischen Soldaten Bill heiraten will. Für Paul bricht eine Welt zusammen. Denn er ist fest davon überzeugt, dass sein von ihm als Held verehrter Vater zurückkehren wird. Paul sieht nur eine Lösung: Er muss dafür sorgen, dass Bill aus seiner Familie verschwindet. Koste es, was es wolle.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2020
In diesem Jugendroman geht es um das dreizehnjährige Kriegskind Paul, das der NS-Ideologie noch vollkommen erlegen ist und nun mit den einschneidenden Veränderungen nach Kriegsende kämpft, erzählt Rezensent Siggi Seuss. Seiner Meinung nach hat die Autorin zwar gut recherchiert, baut ihr Wissen aber wie Fremdkörper in die Geschichte ein. Außerdem kam der Kritiker der Hauptfigur trotz personaler Erzählweise nie richtig nah, was er dem Erzählstil zuschreibt, den er als hölzern und unbeholfen empfunden hat
Rezensent Christoph Vormweg schätzt Sarah Bergmanns Roman über einen Mutter-Sohn-Konflikt und eine Jugend in der Trümmerstadt Berlin für seine eingängige Sprache, seine sinnlichen Alltagsdetails, seine unterschiedlichen Charaktere und Milieus sowie für das Gespür für psychologische Widersprüche in den Köpfen der Jugendlichen. Wie sich die Nazi-Propaganda auf das Denken und Fühlen der jugendlichen Hauptfigur auswirkt und wie dieses Denken schließlich Risse bekommt, schildert die Autorin laut Vormweg spannend und realistisch.
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