Aus dem Englischen von Julia Wolf. Von einem Tag auf den anderen verliert die Schriftstellerin Samantha Harvey die Fähigkeit zu schlafen. Sie gerät in Panik und versucht alles, um ihre Schlaflosigkeit zu überwinden: Akupunktur, Sanskrit-Gesänge und Ernährungsumstellung, Dankestagebücher und Schlafapparaturen - nichts scheint zu helfen. "Das Jahr ohne Schlaf" ist ein innerer Monolog über ein Jahr ohne eine der grundlegenden menschlichen Lebensbedingungen. Harvey erkundet auf ihren nächtlichen Reisen das Erinnern, das Schreiben, Tod und Überlebenswillen und entwirft eine düster-komische Anatomie der Schlaflosigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2022
Rezensent Kai Spanke kann Samantha Harveys Sprunghaftigkeit beim Verfassen ihrer Memoiren einer Nichtschläferin gut nachvollziehen. Wie ein umgestülpter, wenngleich geordneter Zettelkasten kommt ihm das Buch vor, in dem die Autorin über Drogenerfahrungen, den Tod, das Fernsehen (wohl das Nachtprogramm) und allerhand anderes nachdenkt, was ihr in langen, schlaflosen Nächten durch den zerrütteten Sinn geht. Spanke erkennt den Ernst der Lage, findet die Lektüre aber dennoch erfrischend, auch wenn Harvey mitunter eine Wendung zu viel nimmt.
Andauernde Schlaflosigkeit ist die Hölle, aber sie hat Samantha Harvey dazu gebracht, ein essayistisches Buch zu schreiben, das den hier rezensierenden Dichter Nico Bleutge voll und ganz überzeugen kann. Die Schriftstellerin nimmt uns mit in die Gedankenschleifen ihrer sich häufenden schlaflosen Nächte, die Bleutge auch als lehrreiche Erkenntnisse über die menschliche Verstandestätigkeit liest. Trotz aller Belastungen, die die Autorin darin verarbeitet, ein lebendiges Buch, resümiert der Kritiker.
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