Daniela Krien

Mein drittes Leben

Cover: Mein drittes Leben
Diogenes Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783257073058
Gebunden, 304 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten - die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.09.2024

Rezensentin Christiane Lutz liest Daniela Kriens Roman über eine Mutter, die ihre Teenager-Tochter bei einem Unfall verliert mit Beklemmung. So nah geht die Autorin an ihre Figur heran, zeigt Alltag und Anstrengung und Trauerarbeit. Gut gefällt Lutz, dass Krien ohne Larmoyanz auskommt, wenngleich auch nicht ganz ohne Pathos. Wie heikel Trauerromane sind, weiß die Rezensentin. Die Nahaufnahme aber funktioniert, versichert sie. Wenn am Ende des Textes Trost und Hoffnung knospen, ist es Lutz allerdings etwas zu viel Happy End. So schwer ist Trauer auszuhalten, ahnt sie. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2024

Die Kraft des Romans besteht für die Rezensentin Judith von Sternburg in Daniela Kriens Heldin, einer krebskranken Frau, die ihre Tochter bei einem Unfall verloren hat und ums Überleben kämpft. Dass dieser Mensch ehrlich mit sich ist, die eigene Fehlbarkeit erkennt und sich dennoch ein "drittes Leben" entwickelt, als sie den Krebs aushält, scheint Sternburg bemerkenswert. Die Leserin erkennt: Leben ist höchst facettenreich, und die Trauer ist eine gewaltige Größe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2024

Daniela Krien ist es auch in ihrem vierten Roman gelungen, darzustellen, wie Menschen im "Ernstfall" einer bedrohten Existenz reagieren und dabei ihr wahres Wesen zeigen, findet Rezensent Rainer Moritz. Die Mittvierzigerin Linda kann den plötzlichen Tod ihrer 17-jährigen Tochter bei einem Verkehrsunfall kaum verkraften und verlässt Leipzig und ihren Mann, um sich allein auf einen Hof im nördlichen Sachsen zurückzuziehen. Überzeugend und ohne unnötige Beschönigungen erzählt Krien, so der Rezensent, von Lindas Verzweiflung und ihrer scheinbaren Unfähigkeit, ein ,neues Leben' zu beginnen. Dabei nimmt der Roman eine überraschende Wende, als die Protagonistin, da der Mietvertrag für den Hof nicht verlängert wird, nach Leipzig zurückkehren muss. Hier beweist sich das Buch laut Moritz auch als einfühlsamer Eheroman, denn an diesem Punkt müssen - oder dürfen - Linda und ihr Mann ihre Beziehung neu entwerfen. Ein kluger Roman, den der Rezensent zur Lektüre empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.08.2024

Rezensentin Tanya Lieske findet lobende Worte für Daniela Kriens Roman, der mit historischer Tiefenschärfe und sprachlicher Eleganz die naheliegende Gefälligkeit ihrer Geschichte über die Rückkehr einer Trauernden ins Leben konterkariere. Protagonistin Linda, einst erfolgreiche Kunstmaklerin, zieht sich nach dem Tod ihrer Tochter und einer Operation auf einen Hof in Ostdeutschland zurück. Spannend findet Lieske immer wieder die Passagen, in denen die Autorin die Geschichte von Trauer und Aufrichtung mit Stücken deutscher Geschichte von den Wendejahren bis zu den Fluchterlebnissen aus Ostpreußen rund um Lindas Hof verknüpft. Nicht minder schätzt sie den psychologischen Sachverstand, mit dem Krien Lindas Lähmung nachspürt, ohne allzu oft ins Pathetische abzugleiten. In mehreren Phasen nimmt Linda Abschied von ihrem alten Leben, widmet sich ihrem Hof. Die große Frage nach der Vergänglichkeit des Lebens werden hier "stilsicher" und "psychologisch treffend" verhandelt, lobt Lieske.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2024

Rezensentin Stephanie von Oppen ist tief beeindruckt von Daniela Kriens Roman. Die Protagonistin Linda hat ihre Tochter verloren, und alles, was an ihr vorbeizieht, erinnert sie an sie. Sie macht sich Vorwürfe, nie mit ihr zufrieden gewesen zu sein, so von Oppen, die begeistert ist von diesem Porträt einer bildungsbürgerlichen Mutter, die hohe Erwartungen an ihre Kinder stellt und sich deren Schutz zur Lebensaufgabe macht. Linda ist glücklich verheiratet, und obwohl ihr Mann der Einzige ist, der ihre Trauer teilen und nachempfinden kann, braucht sie nach dem Tod ihrer Tochter Abstand. So schließt von Oppen mit einem großen Lob für Kriens "große Kunst", die Ambivalenz der Menschen zu evozieren.