Salman Rushdie

Die bezaubernde Florentinerin

Roman
Cover: Die bezaubernde Florentinerin
Rowohlt Verlag, Reinbek 2009
ISBN 9783498057831
Gebunden, 448 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. 1572: In den Palast Akbars im indischen Fatehpur Sikri kommt ein junger Mann, der behauptet, er sei aus Florenz im fernen Europa angereist, heiße Vespucci und sei Akbars Onkel. Der ob der überraschenden Verwandtschaftsbeziehung verblüffte, aber von der Neugier gepackte Moguln-Herrscher gewährt ihm Gastfreundschaft - und lässt sich in dämmrigen Abendstunden fasziniert erzählen. So erfährt er von Machiavelli, Botticelli, dem Admiral Andrea Doria, Dracula und tausend anderen. Die Schauplätze von Vespuccis weitschweifigem Bericht reichen vom indischen Subkontinent über das Italien der Renaissance und den Nahen Osten bis nach Amerika.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.04.2009

Eingenommen zeigt sich Kai Wiegandt für Salman Rushdies neuen Roman "Die bezaubernde Florentinerin". Die Dreistigkeit, mit der der studierte Historiker Rushdie seine Geschichten ineinanderspinnt, findet Kai Wigandt überaus charmant. Bisweilen hat er allerdings den Eindruck, der Autor verwende immer wieder "abgegriffene" Wendungen und eine "raffende" Erzählweise, nur um möglichst viel erzählen zu können, was aber auch verhindert, dass die Figuren Kontur gewinnen. Mit Spannung verfolgt Wiegandt dann aber wieder den Ausführungen des Romans über eine "Moralität jenseits religiöser Maßstäbe", die ja in eine höchst aktuelle Debatte eingreifen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009

Tobias Döring muss weiter warten auf den formal konzentrierten Roman von Salman Rushdie. Dieses ist er nicht, soviel ist klar. Döring arbeitet sich durch das Kulissengeschiebe einer Breitwandproduktion in Technicolor. Angestaubt und bombastisch und mit allen erdenklichen literarischen Referenzen sowie mit männlichen wie weiblichen Klischees ausgestattet, wäscht das Buch dem armen Rezensenten ordentlich den Kopf. Aber so, dass er am Ende gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich ging und wozu er das alles lesen musste. Damit ein geschichtenerzählender Reisender, der einem indischen Herrscher die Familienvergangenheit auseinanderklamüsert, feststellen kann: Italien und der Subkontinent, Okzident und Orient sind verwandt? Och nö, meint Döring.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2009

Ein enormes kulturgeschichtliches Panorama, zwei "gegenläufige Reisen", eine zwei Generationen überspannende Geschichte sowie üppig ausgestaltete Biografien - ein typischer Rushdi-Roman also. Und trotzdem spürt man das Bedauern von Rezensentin Angela Schader, dass der Autor sie mit diesem Anfang März auch auf Deutsch erscheinenden Buch nicht überzeugen konnte. Das findet sie speziell insofern schade, als das Buch aus ihrer Sicht viele Anlagen hat, aus der sich Großes hätte entwickeln lassen: die Reflexionen über Pluralität, Religion und Macht, die Beziehung zwischen Kaiser Abu Akbar und Gott oder Orient und Okzident zum Beispiel. Oder das Fantasiegeschöpf Jodha, in der sich für Schader sowohl Bollywood, literarische Freiheit und die historische Wirklichkeit des 16. Jahrhunderts mischen, in dem der Roman teilweise angesiedelt ist. Allerdings schöpft Salman Rushdie aus Sicht der Rezensentin den "See" seines Themas nicht aus, sondern übertreibt stattdessen bei dem Bemühen, seinem Mogulkaiser, dessen historisches Vorbild sein Reich durch religiöse Toleranz zu Größe führte, mit Gegenwartsrelevanz anzureichern. Immer wieder gefallen der Rezensentin Stellen, wo dem Buch ein "historisches oder literarisches Palimpsest eingezogen ist". Doch zu ihrem Bedauern hat sich Rushdie auch diesmal noch nicht von seiner "Leidenschaft für Superweibchen" freigeschrieben, die sie schon bei "Shalimar, der Narr" enervierend fand.