Ruth Weiss erzählt die spannende Geschichte des Daniel Löw. Er ist einer der vielen armen Juden in der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg. Diese Menschen leben auf der Straße und sind zum Betteln gezwungen. Viele werden in die Kriminalität gedrängt. Um dem verhassten Leibzoll zu entgehen, den jeder Jude bei Grenzüberquerungen zahlen muss, benutzen sie Judenwege. Der junge Daniel trotzt der Gesellschaft, die ihm das Menschsein abspricht, und gründet eine Diebesbande.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2005
"Judenwege" waren im 17. Jahrhundert Schleichpfade, auf denen die Wanderjuden versuchten, den Grenzposten zu entgehen und damit der Zahlung des Wegzolls, erklärt Rezensent Robert Schopflocher den Titel von Ruth Weiss' Roman. Zugleich stehe er für den abenteuerlichen Lebensweg des Daniel Löw nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der als Kind geschändete Waisenknabe wird von einer Diebesbande aufgenommen, steigt dort auf und landet am Ende sogar am Hofe des Fürsten. Sein Auftrag dort ist es, das verhasste Steuer- und Münzsystem im Volk durchzusetzen. Schopflocher fühlte sich bei der Lektüre des öfteren an Lion Feuchtwanger erinnert, sowohl wegen der geschilderten Milieus, als auch besonders wegen des Mitleids mit der "gequälten Kreatur" und dem "inneren Pathos", das den Text präge. Der Autorin sei es gelungen, die weit zurückliegenden Ereignisse "gegenwartsnah" zu erzählen, und damit ist ihr ein "spannender Abenteuerroman" vor einem historischen Hintergrund geglückt. Zwar ende der Roman etwas abrupt, rege dafür aber den Leser an, die Geschichte "auf eigene Rechnung und Gefahr" weiterzuspinnen, freut sich der Rezensent.
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