Rudolf Hickel

Die Risikospirale

Was bleibt von der New Economy?
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821839035
Gebunden, 191 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Die Aktienkurse zeigen sich unberechenbar, der Zauber um die New Economy ist dahin, die zunehmend flexibilisierten Arbeitnehmer blicken in eine ungewisse Zukunft. Wie geht es weiter mit der deutschen Wirtschaft? Rudolf Hickel beschreibt den rasanten wirtschaftlichen Strukturwandel, der die Trennung zwischen Old und New Economy hinfällig gemacht hat. Die unvermeidbare Reinigungskrise lehrt, daß die alten Regeln der Ökonomie nicht außer Kraft gesetzt worden sind. Die neuen Produkte der Internetökonomie, neu erschlossene Märkte, neue Finanzierungsmodelle, neue Kundenbeziehungen und tiefgreifend veränderte Beschäftigungsverhältnisse führen noch lange nicht zu einem inflationsfreien und dauerhaften Wirtschaftsaufschwung. Die wachsenden Risiken auf den Neuen Märkten und an der Börse machen den Einsatz neuer wirtschaftlicher und politischer Instrumente notwendig.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2002

Hannes Koch weist darauf hin, dass die New Economy am 10. März ihren fünften Geburtstag feiert. Damals erhielten Betriebe, die sich der neuen Technologien bedienten, ein eigenes Marktsegment an der Frankfurter Börse. Hickel, ein linker Ökonom von der Bremer Universität, hat sich den von der Börsenreform ausgelösten Aktienboom und den darauf folgenden Konkurs vieler Firmen näher angeschaut: für Koch bietet Hickel nicht nur eine Zustandsanalyse oder einen lehrreichen Krankenbericht, sondern liefert gleich Rezepte und Präventivmedizin mit. Ausgangsthese Hickels sei, so Koch, dass die Neue Ökonomie nicht zu größerer wirtschaftlicher Stabilität geführt habe. Hickel entwickelt Koch zufolge ein Gegenmodell zur neoliberalen Wirtschaftsdoktrin, in dem der Staat aktiv agieren soll, um gegebenenfalls die Wirtschaft vor Selbstzerstörung zu retten. Das Bundesamt für Finanzmarktaufsicht könnte beispielsweise Bußgelder gegen Vorstände von Aktiengesellschaften verhängen, die zu risikoreich oder voreilig mit dem Geld ihrer Kleinaktionäre umgehen. Hickel, behauptet Koch, spielt sein Modell glaubwürdig durch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2001

Es sind ja gar nicht mal Hickels Argumente, die den Rezensenten Hanno Beck so stören, es ist der Weg, auf dem Hickel zu ihnen gelangt: Beck spricht ihm die Wissenschaftlichkeit ab. Hickel wisse im vorhinein, worauf sein Buch hinauslaufen solle, nämlich auf altbekannte gewerkschaftliche Forderungen wie Arbeitszeitverkürzung, und er halte den Begriff der New Economy nur als brandneuen Reizbegriff hoch, um diese Forderungen ein weiteres Mal plausibel zu machen. In Wirklichkeit, so erscheint es in Becks Lektüre des Bandes, analysiert Hickel die New Economy nämlich gar nicht: Beck stellt eine ganze Menge Fragen - etwa: "Welchen Einfluss haben Kapitalmärkte und 'spekulative Blasen' auf die Struktur einer Wirtschaft?" - die Hickel ungenutzt an seiner offensichtlich nicht existenten wissenschaftlichen Neugierde vorbeiziehen lässt. Und darum lautet Becks Fazit: Es reicht nicht, dass ein Argument richtig sein mag - es muss auch dargelegt werden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001

Insgesamt zustimmend bespricht Volker Wörl dieses Buch des Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel, der einer "alternativen Wirtschaftspolitik" anhängt und in ihr auch ökologische und gesellschaftliche Belange berücksichtigt sehen will. Man erfährt bei Wörl, dass Hickel sich weigert, eine Trennung von alter und neuer Ökonomie anzuerkennen, dass der Vergleich USA-Deutschland etwa die Hälfte des Buchs einnimmt, dass Hickel in der New Economy die Kommunikations- und Informationstechnologien in den Vordergrund stelle und dass er hieraus gewisse Forderungen für die Wirtschaftspolitik ableitet: etwa die nach einer Verkürzung der Arbeitszeiten bei gleichzeitiger Flexibilisierung. Wörl konstatiert zwar, dass einige Prognosen Hickels bereits beim Erscheinen des Buchs als veraltetet sein (ohne sie zu benennen), am "grundsätzlichen Wert" von Hickels Erwägungen will er aber nicht zweifeln.
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