Karl Mays berühmte Abenteuergeschichten sind nicht ausschließlich seiner Fantasie entsprungen, sondern häufig durch eigene Lektüre inspiriert. In 25 exemplarischen Studien aus 25 Jahren führt Rudi Schweikert Einzelmotive, Namen und ganze Handlungsstränge aus Mays Erzählungen zwischen Wildwest und Fernost auf ihre Vorbilder in Reiseberichten und Romanen des 19. Jahrhunderts zurück. Der Detailvergleich ermöglicht einen faszinierenden Blick in die Werkstatt des Schriftstellers, der eine Fußnote in ein zentrales Handlungsmoment zu verwandeln und aus einem trockenen Lexikoneintrag pointierte Dialoge herauszuspinnen verstand - um anschließend geschickt die Spuren zu verwischen. Eine Gesamtbibliographie der bisherigen Veröffentlichungen Rudi Schweikerts zu Karl May rundet den Band ab.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2018
Harald Eggebrecht staunt über Karl Mays Kunst der Aneignung. Der Literaturwissenschaftler Rudi Schweikert machts möglich. Schweikerts gesammelte Spurenlese in Mays Werk findet er achtenswert, hat der Autor doch keine Scheu, Mays Quellen ausfindig zu machen und durchaus belustigt den Finger draufzulegen. Etwa bei dem Roman "Californien und das Goldfieber" eines gewissen W.F.A. Zimmermann, den Schweikert neben Mays Aneignungen in "Deadly Dust" stellt. Mays Ansehen schadet das laut Rezensent aber nicht. Im Gegenteil, die "außerordentliche" Kreativität des Autors bei der Quellenverwertung, sein Montage- und Collage-Können, wird auf die Art erst richtig deutlich, meint Eggebrecht.
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